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Mit dem Flieger gings von Rio nach Manaus, mitten im Amazonas, auch wenn man das hier noch nicht so wirklich merkt. Wer erwartet schon eine 2 Millionen Einwohnerstadt mit Shopping Malls mitten im größten Dschungel des Planeten?!? Doch die unglaubliche Hitze, die Lufteuchtigkeit und die Moskitoschwärme erinnern einen oft genug daran, wo man sich befindet.
Übrigens wird hier auch gerade ein neues Stadion für die Fussball WM 2014 gebaut – die Teams, die hier antreten muessen, sind echt zu bemitleiden.

Der Amazonas ist ein Fluss und ein Wald der Superlative: Er ist mit Abstand der wasserreichste Fluss der Erde und befördert mehr Wasser als die sechs nächstkleineren Flüsse zusammen. Etwa 10.000 Flüsse münden in den Amazonas, elf der dem Amazonas zufließenden Flüsse zählen selbst zu den 20 wasserreichsten Flüssen der Erde. Die Breite des Flusses beträgt in Brasilien meist mehrere Kilometer, in den Zeiten größter Wassermengen kann er die angrenzenden Wälder auf einer Breite von bis zu 100 Kilometern überschwemmen.
Das Amazonasbecken bedeckt fast die gesamte nördliche Hälfte Südamerikas und entspricht ca. 5% der gesamten Landfläche der Erde. Es ist somit das grösste zusammenhängende Waldgebiet unseres Planeten, und ein Fünftel des gesamten Süsswassers der Erde fliesst hier.

Auf unserer viertägigen Tour können wir also kaum behaupten, wirklich tief in das Amazonasgebiet vorgedrungen zu sein, mehr als ein Kratzen an der Oberfläche ist da einfach nicht möglich. Doch auch diese vier Tage bescherten uns einzigartige und unvergessliche Erfahrungen.

Brasilien_9 (Andere)Ankunft in der Jungle-Lodge, und Essen war schon auf dem Grill Brasilien_41 (Andere)Gebucht war Hängematte, aber sonst war keiner da – also Upgrade! Brasilien_55 (Andere)Nennen wir ihn Mowgli…

Brasilien_33 (Andere)Wir erkunden den Fluss per Kanu…

Bei der abendlichen Dusche gabs bei der Auswahl einer der beiden Duschkabinen die erste Begegnung mit der hiesigen Tierwelt:

Dusche 1: schlafende Vampirfledermaus

Dusche 2: Pfeilgiftfrosch + Tarantel

Die Wahl war klar, zur Tarantel kriegt mich keiner rein – vorsorglich wurde zunächst mit offener Tür geduscht, um wahlweise mir selbst oder der Fledermaus den Fluchtweg offen zu halten. Sie hat als erste aufgegeben – eine Runde durch die Dusche und weg war sie.

Am nächsten Tag führte unsere Wanderung in die tiefergelegenen Teile des Waldes, von unserem Guide schon sehr passend als „Moskito Palace“ angekündigt. Das Moskitospray im Anschlag und auch quasi permanent im Einsatz, aber eigentlich völlig nutzlos. Die Moskito-Wolke wandert mit einem mit und man kann sich quasi nur permanent selbst und gegenseitig ins Gesicht watschen, um die Viecher zumindest von dort einigermaßen fern zu halten.

Brasilien_88 (Andere)Besser immer erst mal schauen, bevor man sich an einem Baum festhält… Brasilien_86 (Andere)Diesen proteinreichen Snack haben wir dann doch lieber unserem Guide überlassen… Brasilien_48 (Andere)Blattschneideameisen

IMG_4168 (Andere)Die Wassertanks stehen in der Sonne, daher gibt es mittags auch nur heiße Duschen… dann doch lieber ein Bad im Amazonas!

Nur besser nicht genauer über das Geviechs im Fluss nachdenken… ein paar Anweisungen gibt uns unser Guide noch mit auf dem Weg:

1. Niemals nur einen kleinen Körperteil, wie einen Zeh oder einen Finger, ins Wasser halten – denn der fällt schnell mal ins Beuteschema der Piranhas.

2.  Vor dem Sprung ins Wasser erstmal ein bisschen Wasser und Sand aufwirbeln, um die Stachelrochen zu verjagen.

3. Außerdem erzählte man uns gruselige Geschichten von kleinen Fischen, die den Pinkelstrahl hochschwimmen können und sich im Penis einnisten. Eine nachfolgende Wikipedia-Recherche ergab folgendes: „Candirus (zu deutsch Harnröhrenwelse) sind im Amazonasbecken heimisch und ernähren sich parasitisch vom Blut großer Fische. Da sie auf der Suche nach Nahrung von Harnstoffen geleitet werden, die ihre eigentlichen Wirtstiere über die Kiemen ausscheiden, können sie dabei auch von im Wasser urinierenden Säugetieren fehlgeleitet werden. Dabei kommt es immer wieder vor, dass sie in Harnröhren einschwimmen, auch solche von badenden Menschen. Sie werden deshalb mitunter auch als Penisfische bezeichnet.In dieser Umgebung sind sie nicht lebensfähig, verhaken sich deshalb im Todeskampf mit ihren Kiemenhaken und sterben ab. Oft lassen sich ihre Kadaver nur durch einen operativen Eingriff wieder entfernen. Die Indios in den betroffenen Gebieten schnüren sich beim Baden deshalb ihre Geschlechtsteile zu oder schützen sich durch spezielle Kleidungsstücke.“ – Wir lassen das einfach mal unkommentiert so stehen…

Kurz nach der Mittagssiesta folgte dann meist ein kurzer, aber heftiger Schauer. Kurz darauf ist die sonst so drückende Luft kurzzeitig frisch und der Fluss total klar…

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Nach einem kurzen Halt an der Dschungel-Tankstelle machen wir uns auf, uns unser Abendessen zu verdienen. Piranhas angeln war die Devise – das hatten wir ja bereits in Venezuela geübt, und so konnte die Ausbeute sich sehen lassen!

Brasilien_77 (Andere) Brasilien_92 (Andere) Brasilien_94 (Andere) Brasilien_100 (Andere)Als wir so vor uns hinfischen, geht langsam in den wunderschönsten Farben die Sonne unter, während Flussdelphine um uns herum schwimmen, Schwärme von Papageien über unsere Köpfe hinwegfliegen und in der Ferne Brüllaffen zu hören sind. Die Natur bietet wirklich alles auf was sie hat, und sogar die Moskitos haben sich verzogen. Ein unglaublich perfekter und unvergesslicher Moment!

Brasilien_96 (Andere) Brasilien_98 (Andere) Brasilien_102 (Andere)Brasilien_103 (Andere)Im Dunkeln leuchten wir mit Taschenlampen rechts uns links das Ufer ab und sehen gespenstisch viele Kaimanaugen aufblitzen.

Brasilien_17 (Andere)Am letzten Tag verirrt sich noch der wohl sympathischste Amazonasbewohner in unser Camp, ein Faultier! Wir haben den armen Kerl wieder in den Baum gesetzt, und zack – in einer halben Stunde war er auch schon fast wieder weg.

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In unserer letzten Nacht wollten wir uns noch die komplette Dschungeldosis geben. Zusammen mit Maisha und Kalihl, einem super netten Pärchen aus New York und Barbados, die in der Zwischenzeit angereist waren, verbrachten wir die Nacht im Wald.

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Dieser Abend sollte mir auch meine bislang SCHLIMMSTE tierische Begegnung bescheren. Geschlafen wurde in Hängematten, ein Moskitonetz wurde über jede Hängematte gehängt und unten zugeknotet, damit eben kein Getier mehr reinkrabbeln kann.

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Soweit die Theorie. Da lagen wir nun also, fertig verschnürt in unseren Hängematten-Paketen. So richtig müde war niemand – man möchte nicht glauben, was nachts in so einem Dschungel für ein Lärmpegel herrscht. Dann also nochmal die Taschenlampe angemacht und eine Runde im Kreis geleuchtet – vielleicht gibts ja nen Jaguar zu sehen. Stattdessen sitzt auf meinem Moskitonetz auf Höhe meines Gesichts eine gut 10cm lange RIESIGE Kakerlake! Beim zweiten Blick ist mir auch klar – das Viech sitzt INNEN! Das ist nun wirklich der Supergau: Kakerlakenphobie + besonders riesiges Exemplar + quasi in Fühler-Greifnähe von meinem Gesicht entfernt + keinerlei Flucht möglich + jede Bewegung könnte dieses Teil auf mich runterfallen lassen.

Da hilft alles nichts, da muss mitten in der Nacht mitten im Dschungel ein hysterischer Anfall hingelegt werden – Maisha in der Nachbarhängematte kreischt solidarisch gleich mit. Unser Guide kommt in aller Seelenruhe angeschlappt, Knoten auf, Kakerlake in die Hand und ab ins Lagerfeuer damit.

Der Rest der Nacht verging mit schrecklichen Kakerlaken-Flashbacks, dem Versuch, das Tierkonzert um uns rum zu identifizieren und der erfolglosen Abwehr der Moskitos, die uns durch Moskitonetz, Hängematte und Klamotten hindurch traktieren. Puh, selten so froh gewesen, als die Sonne aufging. Aber eine Erfahrung wars allemal.

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Die Moskitostich-Zählung zurück in Manaus wurde bei ca. 200 Stichen pro Person abgebrochen…

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