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Südamerika empfängt uns nicht gerade mit offenen Armen, sondern wirft uns erstmal ein paar Steine in den Weg – doch eins nach dem anderen.

Wir wollen mit der Fähre von Chaguaramas auf Trinidad nach Guiria in Venezuela übersetzen. Unsere Recherchen ergeben, dass diese jeden Mittwoch fährt, das Ticket am Dienstag bis spätestens 16 Uhr gekauft werden muss. So fährt uns unser netter Guesthouse-Besitzer dort hin, unser Plan ist es, nach dem Ticketkauf noch einen gemütlichen Abend in Chaguaramas zu verbringen, bevor früh am nächsten Morgen die Fähre ablegt.

Leider will man uns kein One-Way-Ticket verkaufen, da angeblich die Einreise nach Venezuela ohne gültiges Ausreiseticket verwehrt wird. Nach langen Diskussionen zahlen wir also zähneknirschend für Hin- und Rückweg, da man uns verspricht, 75% des Rückfahrtickets bei Ankunft erstattet zu bekommen. Das Risiko, nicht einreisen zu dürfen, und nach Trinidad zurückschwimmen zu müssen, ist uns dann doch etwas zu hoch.

Nun gut, erstmal ein nettes Plätzchen zum Übernachten finden… wir schauen uns um und sehen irgendwie nur Baustellen, Boote, Werften, Sicherheitszäune und weit und breit keine Menschenseele. Hostels oder Restaurants – Fehlanzeige. Nach langem Suchen finden wir ein einziges Guesthouse – wir sind ja wirklich nicht pingelig, aber hier grauts sogar uns. Nach noch längerem Suchen finden wir einen kleinen Supermarkt, und bereiten uns ein wunderbares Abendessen aus Toast, Mayo und Thunfisch.

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5 Uhr: Aufstehen und ab zum Hafen

6 Uhr: Ausfüllen der Papiere, Bezahlen der Departure Tax, Kennzeichnen der Gepäckstücke – plötzlich ist Christos Return Ticket unauffindbar, wir stellen alle unsere Taschen und Rucksäcke auf den Kopf – nichts! Die Stimmung ist gereizt, aber was soll man machen? Unter Schimpfen und Fluchen legen wir eben nochmals 69 Dollar auf den Tresen.

6.30 Uhr: Das Boot legt ab und wir machen uns auf Richtung Südamerika. Plötzlich steht leicht zerknirscht ein anderer Passagier vor uns – er hat irgendwie im Papiergewühl am Schalter Christos Ticket eingesteckt. Nun gut, wir hoffen, dass uns auch dies bei Ankunft zurückerstattet werden wird.

14.00 Uhr: Ankunft im Hafen von Guiria. Die Schweinegrippe-Polizei kommt an Bord, wir dürfen erst das Land betreten, wenn wir glaubhaft versichern, weder Fieber noch Kopfschmerzen zu haben. Auch die Einreisebehörde kommt aufs Boot, schaut recht grimmig drein und nimmt sich jeden Passagier einzeln vor. Man klatscht uns aber anstandslos das 30 Tage Visum in den Reisepass. Und wonach hat selbstverständlich niemand gefragt? Richtig, nach einem Rückfahrticket!

15.00 Uhr: Etwas orientierungslos stehen wir im Hafen rum, es scheint jedoch nicht weit in die Stadt zu sein. Ich frage den Erstbesten nach dem Weg und bekomme als Antwort „Hier auf keinen Fall zu Fuß gehen, wegen der Mafia“ zu hören, „weil sonst…“ – es folgt die Pistole-an-die-Schläfe-Geste. Schluck, alles klar, wir nehmen ein Taxi.

15.30 Uhr: Mit dem Taxi zum Büro des Bootsunternehmens, die Kosten werden wie versprochen erstattet. Nächster Stop, Busunternehmen. Am nächsten Morgen wollen wir los Richtung Meer, ist wohl besser, dort bei Tageslicht anzukommen, denken wir uns. Nichts da, es gibt nur Busse um 5 Uhr abends. Da Hafenstädte an sich ja nicht unbedingt zum Verweilen einladen, entschließen wir uns, sofort weiterzureisen.  Der nette Mann im Busbüro verkauft uns also zwei Tickets, und warnt uns vor der „Mafia“. Zudem wundern wir uns über die halbstündige Zeitverschiebung. 2007 hatte Chavez plötzlich angekündigt, ganz Venezuela habe nun die Uhr um eine halbe Stunde zurückzustellen, damit man sich nicht mehr in der gleichen Zeitzone wie die USA befinde. Alles klar…

Der nette Mann im Busbüro lässt uns auch noch telefonieren und eine Unterkunft am Ankunftsort reservieren. Die Dame am Telefon – na klar – warnt uns erstmal vor der „Mafia“.

16.00 Uhr: Durchschnaufen im Hendl-Imbiss. Die Hendl-Verkäuferin, ihr ahnt es schon, warnt uns vor der Mafia. Langsam reichts… wir konzentrieren uns lieber auf die Live-Übertragung der Champions League, die im Imbiss läuft.

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17.00 Uhr: Unser klimatisierter Bus mit viel Beinfreiheit, Fußstützen und Filmunterhaltung startet in Richtung Puerto La Cruz. Angekündigte Fahrtzeit 6 Stunden. Wir strecken uns aus und entspannen.

18.00 Uhr: Bus kaputt, alles aussteigen. Nach einer halben Stunde Wartezeit kommt ein Ersatzbus. Dieser ist stockfinster, eng und klappert und rumpelt durch die finsteren Berge Venezuelas. Neben uns ein nettes venezolanisches Mädel, das gerne mit uns plaudert. Doch das erste Gesprächsthema dreht sich sofort wieder um unsere Sicherheit: Wie kommt ihr vom Busbahnhof ins Hotel? Sollte kein Taxi verfügbar sein, rät sie uns, bis zum Morgengrauen im Busterminal zu bleiben. Letzten Endes ruft sie für uns in unserem Hotel an und organsiert uns ein Taxi, das uns abholen kommt.

01.00 Uhr: Raus aus dem Bus, die verknoteten Gliedmaßen ordnen, sofort rein ins Taxi, vorbei an Wachhunden und Vorhängeschloss unserer Absteige in Puerto La Cruz, ab ins Bett und durchschnaufen.

Nächster Tag: Wir sind verwirrt, unser Problem ist der Wechselkurs. In verschiedensten Tageszeitungen und auf Dutzenden Währungsrechnern im Internet prüfen wir nach:der Kurs ist dermaßen schlecht, dass wir 70$ für unser Zimmer und 11$ für den Big Mac bezahlt haben. Das kann doch nicht sein?! Wir stehen leicht unter Schock, und stellen unsere Ernährung zunächst auf trockenes Toastbrot um (die Packung für 4$).

Wir finden schließlich heraus, dass man als Tourist auf dem Schwarzmarkt tauschen muss, um einen vernüftigen Wechselkurs zu bekommen. Chavez hat den Dollar komplett aus Venezuela verbannt, man bekommt ihn hier in keiner einzigen Bank. Wir hätten also wissen müssen, dass man die auf dem Schwarzmarkt heiß begehrten Dollar oder auch Euro als Bargeld selbst mit ins Land bringen muss, um sie dort zu tauschen. Haben wir nicht – somit sind wir erstmal abhängig von den Bankautomaten. Wir können uns plötzlich nichts mehr leisten, die Stimmung ist auf dem Tiefpunkt.

Auch Puerto La Cruz ist nicht gerade schön, sondern laut und ungemütlich und nach Sonnenuntergang soll man (natürlich) das Haus nicht mehr verlassen. Wir fahren weiter nach Santa Fe, einem kleinen Fischerdorf im Mochilla Nationalpark, buchen uns in eine nette kleine Posada am Meer ein und planen unsere weiteren Schritte… Ziemlich schnell entscheiden wir uns die Angel Falls und Los Roques ausfallen zu lassen, einfach zu teuer. Auf jeden Fall wollen wir nach Merida, in die Berge, und in die Llanos, die flachen weiten Ebenen Venezuelas.

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