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Unsere letzten Tage in Südamerika verbrachten wir in Salvador de Bahia. Nach so vielen zurückgelegten Kilometern nun an der allerletzten Station angekommen zu sein war schon ein wirklich komisches Gefühl…

Salvador ist mit ca. 3 Millionen Einwohnern die drittgrösste Stadt Brasiliens und das afrikanische Herz des Landes. In Salvador kam der größte Teil der rund fünf Millionen Afrikaner an, die von den Portugiesen aus Westafrika in die Sklaverei verschleppt wurden. Sie wurden auf dem zentralen Sklavenmarkt Salvadors, dem Pelourinho (deutsch: Pranger) verkauft. Der Pelourinho ist heute das Zentrum und Touristenviertel Salvadors, in dem auch wir wohnten. Mit Ende der Sklaverei, 1888, zog dieser Platz in Salvador Künstler aller Sparten an: Filmemacher, Musiker, Maler und Schriftsteller. So wurde der Pelourinho ein bis heute sehr angesehenes kulturelles Zentrum.

Am deutlichsten wird Salvadors afrikanisches Erbe durch die zahlreichen Capoeira-Gruppen und Sambareggae-Percussionbands. Die bekannteste davon – Olodum – kennen manche vielleicht aus Michael Jacksons Musikvideo zu „They don’t care about us“, das zum Teil in Salvador und zum Teil in Rios Favelas gedreht wurde:

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Die Kehrseite der Medaille ist in dieser Stadt die extreme Armut und ein grosses Drogenproblem. Bettelnde Menschen und Geschichten von Überfaellen sind hier an der Tagesordnung. Hier ist wohl soviel Vorsicht geboten wie sonst nirgendwo in Brasilien. Trotz aller Vorsicht sollten wir dies am eigenen Leib zu spüren bekommen. Obwohl wir uns nur im absoluten Touristenzentrum aufhielten, haben 100m in die falsche Richtung bereits ausgereicht. Plötzlich kamen zwei Gestalten auf uns zu, einer von ihnen hatte eine Waffe unter dem T-Shirt auf uns gerichtet, oder er hat nur so getan, als hätte er eine Waffe – das werden wir wohl nie erfahren.

Jedenfalls machten uns die beiden unmissverständlich klar, dass wir sofort unsere Wertsachen rausrücken sollen. Mich ließen sie Gott sei Dank komplett in Ruhe, ich hatte an diesem Tag weder Kamera noch Tasche bei mir, und mein Kleid hatte keinerlei Taschen. Somit stürzten sie sich sofort auf Christo und gingen ihm an die Hosentaschen. Bei den beiden handelte es sich um sehr junge Kerle, was wahrscheinlich unser Glück war, denn sie kamen nicht auf die Idee, nach einem Geldgürtel zu schauen. Das rettete unser Bargeld und unsere Kreditkarte. Die beiden waren sichtlich irritiert, was wir ausnutzten und es irgendwie geschafft haben, den beiden davonzulaufen.

Der Schreck saß uns erst mal in den Knochen und wir flohen ins nächste Restaurant. Erst langsam begriffen wir unser Glück – weder hatten wir selbst Schaden genommen, noch hatten wir irgendwelche materiellen Verluste. Trotzdem war das Ganze eine alles andere als schöne Erfahrung – dass uns dies erst kurz vor Abreise passierte, war wohl zusätzliches Glück, ein solcher Vorfall am Anfang einer Reise nimmt einem bestimmt einiges an Reisefreude.

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Dienstag Abend erwacht Salvador so richtig zum Leben und verwandelt sich in eine einzige riesige Strassenparty. Das beste daran sind die Percussionbands, die quer durch die Stadt ziehen. Zusammen mit Nadja und Christoph, die wir im Hostel kennengelernt haben verbrachten wir einen wunderbaren Abend in Salvador bei Musik und Caipirinha!

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Nun heisst es also Abschied nehmen von Südamerika. Das Herz blutet uns, wir haben das Gefühl, noch ewig weiterreisen zu können und können uns kaum vorstellen, dass das bald zu Ende sein soll.

Die Heimreise treten wir auf eher untypische Art und Weise – doch dazu bald mehr!


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