Zum allerletzten Mal auf unserer Reise wagen wir einen gewaltigen Tapetenwechsel – es geht in ein Land, das auf unserer Favoritenliste nicht gerade weit oben rangiert, nämlich die USA! Doch nicht irgendwohin – wir haben uns den abgelegensten und hoffentlich abenteuerlichsten Teil des Landes ausgesucht, es geht nach Alaska! Auch ins angrenzende Kanada soll uns unser Weg immer mal wieder führen. Unser Hauptgrund für diesen Abstecher ist eigentlich, dass wir nochmal eine ganz andere Art des Reisens ausprobieren wollen. Wir haben erstmal genug vom Busfahren und von Hostels – ab jetzt wird gecampt! Ein richtiger Roadtrip also – wir können es kaum erwarten!

Um 8 Uhr morgens verlassen wir unser Hostel in Cancun, und nach zweimal Umsteigen in Los Angeles und Seattle landen wir pünktlich zum Sonnenuntergang um 22.30 Uhr in Anchorage. Man merkt, wir sind im hohen Norden! Da es natürlich keine vernünftigen öffentlichen Verkehrsmittel gibt (willkommen in den USA!), fahren wir mit dem Taxi zu unserem Couchsurfing-Gastgeber Chris. Für die, die es vielleicht noch nicht kennen: Couchsurfing ist eine Community von und für Reisende, die sich gegenseitig eine gratis Übernachtung anbieten. Chris, der selbst ständig in der Weltgeschichte unterwegs ist, sagt einfach „immer wenn ich selber grade nicht reisen kann, hole ich mir eben die Welt ins Haus“. Und so treffen wir in seinem Haus gleich noch andere Couchsurfer aus den USA, Holland und Mexiko und werden überschwänglich von Chris‘ verrückter Bulldogge Mia begrüßt.

IMG_5286_1 (Medium)Am nächsten Tag haben wir viel vor. Als erstes fahren wir zu Alamo um unser Mietauto abzuholen. Lange haben wir online nach dem besten Schnäppchen gesucht, bis wir schließlich für weniger als 50$ am Tag (mit unbegrenzten Kilometern und Vollkasko) den wahrscheinlich billigsten Wagen der ganzen USA ergattert haben. „Toyota Corolla oder ähnlich“ stand da – in unserer Vorstellung bedeutete das einen alten, klapprigen Corolla, also genau das richtige, da kann man wenigstens nichts mehr dreckig oder kaputt machen, haben wir uns gedacht. Doch falsch gedacht – wir bekamen einen fabrikneuen Chevrolet Malibu mit jedem Schnickschnack hingestellt – auch nicht schlecht :)

Anschließend ging es erst mal zu Walmart, ein Marathon-Shopping-Tag steht an! Hier sind wir mal wieder völlig schockiert und überfordert vom amerikanischen Supermarkt-Irrsinn. Packungsgrößen für 10köpfige Familien, astronomische Preise v.a. in der Obst- und Gemüse-Abteilung, Convenience-Food für die ganz faulen (kau-fertige Käse-Stangen, Mikrowellen-Pizza, fertig geschnibbeltes und eingeschweißtes Obst etc.). Und dann natürlich die Kunden, die vor lauter Übergewicht schon dazu übergegangen sind, mit dem Elektrowägelchen durch den Supermarkt zu fahren. Auch immer wieder faszinierend: völlig selbstverständlich werden mitten im Wal Mart Schusswaffen und Munition verkauft, Bier jedoch muss in einem abgetrennten Teil des Supermarktes angeboten werden, und ohne Ausweis geht hier nichts, egal wie alt man ist. Verrücktes Amerika.

Gott sei Dank gibt es bei Wal Mart ja ungefähr alles, und damit auch super günstiges Camping-Equipment. Auch Chris leiht uns netterweise bereitwillig noch einen Teil seiner Camping-Sachen – alles in allem sind wir an der Kasse aber natürlich trotzdem einige Hundert Dollar los. Bei Übernachtungskosten von mindestens 100$ selbst in den billigsten Motels ist das Geld jedoch mehr als gut investiert!

IMG_5282_1 (Medium)Für die Lebensmittel selbst hat uns Chris angeboten, abends noch mit uns zu Costco zu fahren, die amerikanische Variante der Metro, für die er einen Ausweis hat. Von den Verpackungsgrößen hier sind wir nun endgültig überfordert (wer braucht 1kg Parmesan oder eine 100er Packung Müsliriegel?!?). Chris schlägt uns außerdem die abstrusesten Dinge vor, ohne die wir seiner Meinung nach auf keinen Fall campen gehen können („das ist sowas ähnliches wie Käse, nur es schmilzt viel besser!“), die wir möglichst höflich ablehnen. Eine weitere Herausforderung ist dann nur noch, das alles ins Auto zu bekommen – grade so bekommen wir das hin :)

IMG_5289_1 (Medium) IMG_5291_1 (Medium) IMG_5293_1 (Medium)Nach einigen letzten Erledigungen und dem Befüllen der Kühlbox geht es am nächsten Morgen endlich los! Wir verlassen Anchorage in Richtung Norden auf dem Glenn Highway in Richtung Palmer.IMG_5305_1 (Medium) IMG_5322_1 (Medium)Von hier aus nehmen wir einem Tip von Chris folgend die teils ungeteerte Willow-Fishhook Road, die über den wunderschönen Hatcher Pass führt.

IMG_5331_1 (Medium) IMG_5335_1 (Medium) IMG_5337_1 (Medium) IMG_5341_1 (Medium) IMG_5342_1 (Medium) IMG_5344_1 (Medium) IMG_5347_1 (Medium) IMG_5349_1 (Medium) IMG_5351_1 (Medium)IMG_5328_1 (Medium)Nutella-Pause :)

IMG_5352_1 (Medium) IMG_5354_1 (Medium) IMG_5358_1 (Medium) IMG_5360_1 (Medium) IMG_5361_1 (Medium) IMG_5364_1 (Medium) IMG_5366_1 (Medium) IMG_5367_1 (Medium)Nach dem Pass folgen wir dem Lauf des Willow Creek und sehen viele Camper, die sich hier bereits häuslich eingerichtet haben. So entschließen wir kurzerhand, unsere eigentlich geplante Tagesetappe abzukürzen und hier ebenfalls wild zu campen. Wir finden noch ein nettes Plätzchen und errichten zum ersten Mal unser Camp. Erstaunlicherweise klappt das alles bereits relativ reibungslos: Zelt aufstellen, Luftmatratzen aufblasen, Essen zubereiten. Unser erstes Camping-Dinner, bestehend aus Folienkartoffeln und Salat, schmeckt so gut wie selten was!

DCIM102GOPROG0710729. DCIM102GOPROG0710745. IMG_5370_1 (Medium) IMG_5372_1 (Medium) IMG_5376_1 (Medium) IMG_5377_1 (Medium) IMG_5381_1 (Medium) IMG_5386_1 (Medium)Campen in Alaska und Kanada ist natürlich nicht ganz so wie Campen in Italien. Man darf nie vergessen, dass man hier in der Wildnis ist und vor allem die vielen Grizzly- und Schwarzbären (98% der gesamten Bärenpopulation der USA leben in den USA) machen einige Vorsichtsmaßnahmen unumgänglich. Von mehreren Seiten sind wir diesbezüglich bereits ausführlichst gebrieft worden: strikte Trennung von Schlaf- und Kochstelle, jegliches Essen/ Abfälle und für Bären sehr wohlriechende Toilettenartikel wie Zahnpasta oder Deo immer im Auto oder in extra bärensicheren Behältern aufbewahren, auf keinen Fall irgendetwas davon mit ins Zelt nehmen und für den Ernstfall das Bärenspray parat haben. Gute Nacht Alaska! :)

IMG_5394_1 (Medium)Frühstück :)

Den ganzen nächsten Tag fahren wir durch die Bergkette der Alaska Range – einmal zeigt sich sogar der schneebedeckte Gipfel des Denali oder Mt. McKinley über den Wolken, mit 6194 Metern der höchste Berg Nordamerikas. Pünktlich an den beiden Aussichtspunkten hat er sich dann aber wieder in den Wolken versteckt, wie so meistens.

DCIM102GOPROG0720765. IMG_5431_1 (Medium) IMG_5441_1 (Medium) IMG_5445_1 (Medium)Wir machen einen kurzen Abstecher nach Talkeetna, kehren dem Touri-Dorf mit Souvenirläden und Biergärten aber relativ schnell wieder den Rücken. Mit dem nötigen Kleingeld kann man von hier aus mit kleinen Wasserflugzeugen Rundflüge um den Gipfel des Denali buchen.

IMG_5410_1 (Medium) IMG_5412_1 (Medium) IMG_5421_1 (Medium) IMG_5422_1 (Medium)Und so fahren wir weiter bis zu unserem Tagesziel, dem Denali Nationalpark.

DCIM102GOPROG0730777. IMG_5426_1 (Medium) IMG_5431_1 (Medium) IMG_5434_1 (Medium)Hauptsache gute Mucke im Auto 😉

IMG_5447_1 (Medium) IMG_5458_1 (Medium) IMG_5493_1 (Medium) IMG_5496_1 (Medium) IMG_5499_1 (Medium) IMG_5502_1 (Medium) IMG_5504_1 (Medium) IMG_5508_1 (Medium) IMG_5512_1 (Medium)Im Nationalpark übernachten wir auf dem Riley Creek Campground, wo ein Stellplatz fürs Zelt 10$ kostet. Zum ersten Mal werden wir von einer ziiiiiemlich frostigen Nacht überrascht – Sommer in Alaska ist nun mal nicht gleich Sommer in Mexiko :)

IMG_5523_1 (Medium) IMG_5526_1 (Medium) IMG_5661_1 (Medium) IMG_5686_1 (Medium)

Der Denali Nationalpark ist nicht mit dem eigenen Fahrzeug befahrbar, weswegen man einen Shuttle-Bus buchen muss. Auf unserer 12 (!) stündigen Parktour zieht es im Laufe des Tages immer mehr zu und es wird merklich kühler – angeblichen typisches Denali-Wetter. Auch der große Berg zeigt sich leider wieder mal nicht. Die Landschaft ist trotzdem wunderschön. Wir sehen viele Karibus und auch aus weiter Ferne unsere ersten Grizzly-Bären.

IMG_5571_1 (Medium) IMG_5581_1 (Medium) IMG_5586_1 (Medium) IMG_5593_1 (Medium) IMG_5603_1 (Medium) IMG_5606_1 (Medium) IMG_5608_1 (Medium) IMG_5625_1 (Medium) IMG_5627_1 (Medium) IMG_5634_1 (Medium) IMG_5640_1 (Medium) IMG_5652_1 (Medium) IMG_5652_1 (Medium) IMG_5663_1 (Medium) IMG_5668_1 (Medium) IMG_5670_1 (Medium)

Der Denali-Nationalpark ist der einzige, der immer noch seine eigene Schlittenhunde-„Flotte“ hat. Ursprünglich waren diese im Winter eingesetzt worden, um die Parkgrenzen zu überwachen und nach Wilderern Ausschau zu halten. Mittlerweile transportieren die Hundeschlitten meist Equipment durch den Park oder unterstützen bei Forschungsprojekten. Jetzt im Sommer kann man die Huskys besuchen, nach Herzenslust streicheln und man bekommt auch eine kurze Demonstration der Rennfreudigkeit der Tiere zu sehen.

IMG_5687_1 (Medium) IMG_5690_1 (Medium) IMG_5693_1 (Medium) IMG_5695_1 (Medium) IMG_5734_1 (Medium) IMG_5743_1 (Medium) IMG_5745_1 (Medium) IMG_5750_1 (Medium) IMG_5751_1 (Medium) IMG_5760_1 (Medium) IMG_5769_1 (Medium) IMG_5776_1 (Medium) IMG_5789_1 (Medium)

Wir verlassen Denali in Richtung Fairbanks.

IMG_5795_1 (Medium) IMG_5796_1 (Medium) IMG_5793_1 (Medium)

Das ist Belen – mit diesem kleinen Roller ist das Mädl alleine von ihrer Heimatstadt Buenos Aires bis nach Alaska gefahren. Ihr usprünglicher Plan war eigentlich „nur“ die Strecke Argentinien – Mexiko gewesen. Doch selbst jetzt, nach 3 Jahren Fahrt, hat sie noch nicht genug, in ein paar Tagen wird der Roller nach Afrika verschifft und die Reise geht weiter :)

Viele von euch kennen bestimmt „Into the wild“, das Buch von Jon Krakauer bzw. den Sean Penn Film, basierend auf der wahren Geschichte von Christopher McCandless, dem 22jährigen Studenten der 1992 allein im Rahmen einer 2jährigen Reise durch die USA in die Wildnis Alaskas aufbrach. Die Wintermonate verbrachte er in einem in der Wildnis verlassenen Linienbus. Als die Schneeschmelze seinen Rückweg abschneidet und er eine essbare Pflanze mit einer giftigen verwechselt, stirbt er einsam in seinem „Magic Bus“ und wird Monate später von Elchjägern gefunden. Der Bus steht immer noch an Ort und Stelle – viele Backpacker machen heute die mehrtägige, harte Wanderung zum Ort des Geschehens. Wir begnügen uns mit der Replik des Busses, die in Healey steht.

IMG_5797_1 (Medium) IMG_5800_1 (Medium)In Fairbanks, der zweitgrößten Stadt Alaskas, gönnen wir uns einen privaten Campingplatz für 24$, komplett mit heissen Duschen und W-Lan.

IMG_5814_1 (Medium)Der Kampf mit dem Pavillon :)

IMG_5823_1 (Medium)Auf unserem weiteren Weg auf dem Richardson Highway bis Tok ist das Wetter miserabel, es regnet und hat gerade mal 10 Grad.

Wir kommen durch ein Städtchen namens North Pole. Ein schlauer Kopf hat sich irgendwann mal überlegt, die Stadt einfach umzubenennen und ein riesen Weihnachts-Souvenirgeschäft dort hinzustellen – fertig ist die fragwürdige Touristenattraktion. Jedes Jahr kommen Tausende Briefe von Kindern hier an, adressiert an „Santa Claus, North Pole, Alaska.“ So ein Schmarrn :)

IMG_5846_1 (Medium) IMG_5847_1 (Medium) IMG_5849_1 (Medium) IMG_5851_1 (Medium) IMG_5852_1 (Medium) IMG_5855_1 (Medium) IMG_5859_1 (Medium)

Bei dem Wetter macht das mit dem Campen natürlich nicht ganz so viel Spaß – wir hatten uns eher laue Sommerabende am Lagerfeuer ausgemalt… aber keiner soll sagen wir seien nur Schönwetter-Camper 😉 So schlagen wir unser Lager im strömenden Regen am Ufer des Moon Lakes auf und es geht relativ schnell dick eingepackt ab ins Zelt, doppelt regengeschützt durch den Pavillon, den uns Chris Gott sei Dank noch aufgeschwatzt hat.

IMG_5878_1 (Medium) IMG_5881_1 (Medium)Es folgt der erste Grenzübergang nach Kanada, der sehr entspannt abläuft. Und schon sind wir im Yukon Territory, einem Staat Kanadas mit noch nicht einmal 40.000 Einwohnern.

Kanada beginnt vielversprechend, der Himmel klart auf, die Sonne kommt raus und die Laune hebt sich.

DCIM102GOPROG0750812.

IMG_5894_1 (Medium) IMG_5902_1 (Medium) IMG_5905_1 (Medium) IMG_5908_1 (Medium) IMG_5928_1 (Medium) IMG_5937_1 (Medium) IMG_5939_1 (Medium) IMG_5943_1 (Medium)IMG_5907_1 (Medium)Und wir dachten immer, die Autos ziehen die Wohnmobile :)

IMG_5945_1 (Medium) IMG_5949_1 (Medium) IMG_5956_1 (Medium)Plötzlich sehen wir zwei Fahrzeuge mit Warnblinkanlage am Straßenrand stehen, die Insassen mit Kameras bewaffnet daneben. Und tatsächlich, direkt neben der Straße ist ein Grizzly-Bär und buddelt friedlich nach Essbarem. Von dem Paparazzi-Trubel um ihn herum lässt er sich so gar nicht stören und so können wir unsere erste hautnahe Begegnung mit einem Grizzly gute 10 Minuten lang genießen – wow!

IMG_5973_1 (Medium) IMG_5978_1 (Medium) IMG_5992_1 (Medium) IMG_5994_1 (Medium) IMG_5998_1 (Medium) IMG_6000_1 (Medium) IMG_6003_1 (Medium) IMG_6005_1 (Medium) IMG_6009_1 (Medium)

IMG_6026_1 (Medium) IMG_6028_1 (Medium) IMG_6034_1 (Medium) IMG_6036_1 (Medium) IMG_6040_1 (Medium)Abends machen wir uns wieder mal auf Schlafplatz-Suche. Als erstes kommen wir an einen Campground, der Zelten derzeit nicht erlaubt. Rund um den Platz sind grad die Beeren reif und die stehen bei Grizzlys ganz oben auf dem Speiseplan. Wild campen streichen wir in der Gegend dann für heute auch erst mal :)

IMG_6031_1 (Medium)

Ein gutes Stückchen weiter finden wir doch noch einen sicheren und wunderschönen Campground und stellen unser Zelt direkt am Ufer des Kluane Lakes auf. Hier starten wir auch gleich mal die ersten (leider erfolglosen) Angelversuche.

IMG_6051_1 (Medium) IMG_6053_1 (Medium) IMG_6056_1 (Medium) IMG_6059_1 (Medium)Gelungenes Experiment: Gegrillte Nutella-Banane :)

IMG_6064_1 (Medium) IMG_6061_1 (Medium) DCIM103GOPROG0771064.


Kommentare

Roadtrip, Baby! Mit dem Auto durch Alaska & Kanada — 2 Kommentare

  1. OOOOOH! Campen!!! Auch immer noch mein Favorite beim Reisen! Na, da habts ja jetz a gelungenen Ersatz für Neuseeland, oder!? Voll geilo bei euch! Liebe Grüße und bis bahaaald!!!

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>