Vom Hochland Guatemalas geht es nun wieder in tropischere Gefilde, nämlich in die dicht mit Dschungel bedeckten Teile des Landes. Für die lange Strecke in das kleine Dorf Lanquin landen wir in einem der Touristen-Mini-Vans. Spätestens seit Asien hassen wir diese Kleinbusse, die Backpackern oft als teurere „VIP-Bus“-Alternative zu den öffentlichen Verkehrsmitteln verkauft werden, wo aber in aller Regel 14 hochgewachsene Westler in einem Wagen zusammengepfercht werden, der eigentlich für 8 Leute gemütlich Platz bietet.

Spätestens jetzt haben wir unmissverständlich gemerkt, dass wir hier in Zentralamerika auf dem sogenannten „Gringo Trail“ unterwegs sind, neben dem „Banana Pancake Trail“ in Südostasien die zweite große Backpacker-„Standardroute“. Der 19jährige (meist amerikanische) Rucksackreisende kann hier theoretisch reisen, ohne sich auch nur einmal selbst um etwas kümmern zu müssen. Minibus-Shuttles fahren von Hostel zu Hostel (alle natürlich total angesagt und entsprechend überteuert), in denen man praktischerweise gleich alle Mahlzeiten einnehmen kann, es eine Bar gibt und wo man zusammen mit der Backpacker-Meute, die ja ebenfalls die gleiche Route abklappert und die man daher ja ohnehin schon kennt, die Tagestour zu den örtlichen Sehenswürdigkeiten buchen kann. Wird das Essen im Hostel doch mal fad, gibt es in unmittelbarer Umgebung immer zahlreiche Touri-Restaurants, wo man bei Burger, Latte Macchiato oder eben Banana Pancakes wirklich nichts von zu Hause vermissen muss. Von Individualreisen hat das Backpacking hier wirklich nicht mehr viel, und wer nicht will, muss quasi kaum mehr mit dem Land, das er dort bereist und dessen Menschen in Berührung kommen und keinen Moment lang seine Komfortzone verlassen.

Auch scheint Mittelamerika sich seit unseren eigenen letzten Besuchen vor 3 bzw. 8 Jahren enorm verändert zu haben. Acht Jahre ist meine erste lange Reise nach Costa Rica, Panama und Nicaragua nun schon her – damals schien mir Costa Rica preislich völlig akzeptabel zu sein, heute schimpfen alle über ein Preisniveau, das über dem von Kanada oder den USA liegen soll. Auch das damals spottbillige Nicaragua ist jetzt angeblich teurer als Mexiko. Wir können uns nur wundern.

Ein bisschen genervt sind wir von dem ganzen Zirkus zeitweise schon – werden wir vielleicht tatsächlich älter? 😉 Auf dem Banana Pancake Trail, also in Thailand, Laos, Kambodscha und Vietnam, war es für uns verhältnismäßig leicht gewesen, diesem „Pauschal-Backpacking“ zu entgehen. Einfach für 3€ am Tag einen Roller besorgt (alternativ ein Motorrad oder Tuk Tuk), und schon ist man auf eigenen Pfaden unterwegs, völlig frei, dorthin zu fahren und dort stehen zu bleiben, wo es einem gerade gefällt. In kleinen Garküchen zu essen, wo die Einheimischen noch super freundlich zu Touristen sind oder in Dörfer zu fahren, wo kaum einmal ein Weißer vorbeischaut.

In Mittelamerika fehlt diese Option – Rollerverleihe gibt es nicht, und zumindest in Mexiko kann man zwar Autos mieten, doch das liegt völlig außerhalb unseres Budgets. So sind wir oftmals eben eher ortsgebunden und auf die Backpacker-Infrastruktur angewiesen – vor allem hier in Semuc Champey, wo es außer Rucksackreisenden quasi sowieso niemanden hinverschlägt.

Und so landen wir eben in der Zephyr Lodge – einem Hostel mit allen Annehmlichkeiten, Bar, Restaurant, Infinity Pool und Whirlpool – ja richtig gehört :) Ein kühles Bier im Pool mit Blick auf den dampfenden Dschungel ist tatsächlich nicht zu verachten. Auch die Duschen sind herrlich – auf der Außenseite des Gebäudes angebracht und nur hüfthoch eingemauert kann man so ins endlose Grün schauen, während man sich einseift.

IMG_4875_1 (Large)Am nächsten Tag starten wir die große Semuc-Champey-Actiontour, wo es zunächst auf der Ladefläche eines Pick-up-Trucks in einer einstündigen Fahrt noch tiefer in den Dschungel geht.

DCIM100GOPROG0106872.Es folgt ein Tag mit allem was das Herz von Outdoor- und Actionfans höher schlagen lässt: wir klettern, schwimmen und springen nur mit einer Kerze bewaffnet durch dunkle, überflutete Höhlen, stürzen uns von einer Riesen-Schaukel in den Fluss, lassen uns in einem Tube selbigen entlangtreiben und springen von einer 12 Meter hohen Brücke.

DCIM100GOPROG0146981. DCIM100GOPROG0177020. DCIM100GOPROGOPR7134. DCIM100GOPROGOPR7150.DCIM100GOPROG0257163.DCIM100GOPROG0287191.DCIM100GOPROG0287201.DCIM100GOPROG0287213.DCIM100GOPROG0297245.DCIM100GOPROG0307252.Gewitzte Bierverkäufer, die auch gerne mal mit Dosen werfen. Wers fängt, muss es kaufen :)

DCIM100GOPROG0317271.vlcsnap-2015-07-17-17h19m59s194_1vlcsnap-2015-07-17-17h20m29s249_1 Es folgt eine Wanderung zu einem Aussichtspunkt, um die mitten im Dschungel gelegenen, türkisen Pools von Semuc Champey von oben zu sehen, bevor wir uns dann endlich selbst reinstürzen um von Pool zu Pool springen, rutschen oder fallenvlcsnap-2015-07-17-17h17m59s248_1

DCIM100GOPROG0337292. DCIM100GOPROG0337305. DCIM100GOPROG0347317. DCIM100GOPROG0367339. DCIM100GOPROG0387353. DCIM100GOPROG0397366. DCIM100GOPROG0407372. DCIM100GOPROG0417384. IMG_4873_1 (Large)Leider ist das Wetter insgesamt eher bewölkt und regnerisch und trotz der Schwüle und Luftfeuchtigkeit kühlt man im kalten Wasser des Flusses und der Pools irgendwann doch sehr aus – somit sind die Plätze im heissen Whirlpool bei der Rückkehr zum Hostel sehr begehrt :)

Uns zieht es schnell weiter nach Flores, einem netten kleinen Städtchen im See Petén Itzá gelegen, welches den Ausgangspunkt für einen Besuch von Tikal bildet, eine der größten und am besten erhaltenen Maya-Ruinen. Im Gegensatz zu Palenque in Mexiko liegt die Besonderheit von Tikal vor allem in seiner Lage mitten im Dschungel. Neben den Ruinen bekommt man hier mit Glück auch noch einiges an Wildlife zu sehen. Neben einigen bunten Vögeln und Nasenbären sahen (und hörten) wir vor allem viele Brüllaffen. Aber trotz angestrengtem Absuchen der Baumkronen konnten wir leider keinen Tukan erspähen…

DCIM100GOPROG0437389. DCIM100GOPROG0447398. IMG_4882_1 (Large) IMG_4886_1 (Large) IMG_4889_1 (Large) IMG_4893_1 (Large) IMG_4896_1 (Large) IMG_4905_1 (Large) IMG_4908_1 (Large) IMG_4913_1 (Large) IMG_4917_1 (Large) IMG_4921_1 (Large) IMG_4924_1 (Large)Oh und da war ja noch was: Wir haben mal wieder eine Bier-Spende bekommen!! Da Zentralamerika ja weniger für gutes Bier und vielmehr für guten Rum berühmt ist, und wir diesen ohnehin viel lieber trinken, haben wir die Spende diesmal dazu verwendet, unser bisher auf Cacique (Venezuela), Flor de Cana (Nicaragua) und Abuelo (Panama) eingeschossenes Rum-Sortiment ein bisschen zu erweitern, heute Abend beispielsweise mit dem guatemaltekischen 12jährigen Botran.

IMG_4927_1 (Large) DCIM100GOPROG0457401.Danke Gerhard!!!


Kommentare

Das grüne Herz Guatemalas – Semuc Champey und Tikal — 3 Kommentare

  1. Infinity Pool in der Zephyr Lodge – nicht schlecht!!! Wir waren auf unserer Reise auch dort, leider noch ohne Pool und Whirlpool, wenigstens gabs die Duschen mit Ausblick schon! 😉
    Wie immer schöne Bilder, da will man gleich in den nächsten Flieger steigen!

    • Ja die Zeiten ändern sich rasant! Falls ihr in einem Jahr dort wieder vorbeikommt gibt es bestimmt schon nen kompletten Wellness-Bereich und ein Sterne-Restaurant :)

  2. Ihr regt euch über ausgelatschte Touristen Trails auf und steigt dann mit Selfie Stick in der Zephyr Lodge ab. Mehr Cliché geht eigentlich nicht.
    Ansonsten aber schöner Bericht.

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