Wir machen uns auf den Weg nach Chiapas – dem „ursprünglichsten“ Teil des Landes mit einem besonders hohen Anteil an indigener Bevölkerung. Unsere Basis soll San Cristóbal de las Casas sein, wo wir für eine Woche bei meiner alten Schulfreundin Cati unterkommen können, die bereits seit 5 Jahren in Mexiko lebt. Doch bevor es zu dem „Mini-Klassentreffen“ kommen kann, sollte es wieder einmal etwas länger dauern als geplant.

Um 21.30 nehmen wir in Puerto Escondido den Nachtbus, geplante Ankunftszeit ist 10.30 am nächsten Tag. Doch eine für Mexiko nicht ungewöhnliche Straßensperre macht uns einen Strich durch die Rechnung. Bereits um 2 Uhr nachts stoppt der Bus – bis der Großteil der Fahrgäste kapiert, was überhaupt los ist, ist es aber bereits 6 Uhr oder später.

In einer solchen Situation treffen unterschiedliche Mentalitäten aufeinander: sämtliche Europäer im Bus begeben sich augenblicklich auf Ursachen- und Lösungssuche. Warum ist die Straße gesperrt? Wie lange noch? Was können wir tun? Die Mexikaner währenddessen ergeben sich gleichmütig in ihr Schicksal und zucken bei unserer nervigen Fragerei nur mit den Schultern. Man bekommt Antworten wie „Keiner weiss, wie lang die Blockade dauert.“ oder „Letztes Jahr gab es mal eine, die hat zwei Monate gedauert.“ Die Busfahrer der zahlreichen gestrandeten Langstreckenbusse stehen gemütlich zusammen und trinken Kaffee.

CAM00247_1 (Large)Irgendwie ist diese Seelenruhe ja zu beneiden, aber trotzdem für uns nicht hinnehmbar. Zuerst schauen wir uns die Blockade mal an. Zehn Männer sitzen auf einem Baumstamm – das ist alles? Davor und dahinter ist eine der wichtigsten Verbindungsstraßen Mexikos seit nun bereits 7 Stunden nicht befahrbar. Von Polizei und Regierung wird so etwas gekonnt ignoriert – wenn nötig eben auch 2 Monate lang.

Wir fragen einen der netten, Kaffee trinkenden Männer auf dem Baumstamm einfach mal, warum er denn da sitzt und wie lange er dort noch zu bleiben plant. „Der Bürgermeister hat Geld unterschlagen!“ und „3 Tage!“ ist die Antwort.

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Wir jedenfalls haben nicht vor, noch 3 Tage am Straßenrand zu verbringen und letzten Endes sind es tatsächlich die Touristen, die eine Lösung finden. Unser OCC Bus tauscht ganz einfach mit einem anderen OCC Bus auf der anderen Seite der Blockade Passagiere und Gepäckl, einmal wenden, und schon sind alle wieder auf dem Weg.

Nach insgesamt 24 Stunden on the road kommen wir dann komplett gerädert endlich in San Cristóbal an, wo uns Cati schon mit einer heissen Dusche und einem Bett erwartet, herrlich!

IMG_4528_1 (Large)Und frisch gebackenes Sauerteigbrot gibts auch :)

IMG_4533_1 (Large) IMG_4535_1 (Large)Die hübschen Straßen San Cristóbals

IMG_4537_1 (Large) IMG_4541_1 (Large) IMG_4544_1 (Large) IMG_4547_1 (Large) IMG_4548_1 (Large)Für 1,5 Tage besuchen wir Simojovel, wo der Großteil des mexikanischen Bernsteins abgebaut wird. Ein erfrischend anderes Ziel – ohne Reiseführer, Hostels oder Touristencafes. Wirkliche Sehenswürdigkeiten gibt es hier nicht, doch manchmal ist ja genau dies sehenswert. In jedem Dorf der Indigenas hier, die zumeist noch ihre eigene Sprache (unter anderem Tsotsil) sprechen, sieht man andere bunte Trachten und Gewänder. Die Kamera bleibt diesmal jedoch in der Tasche verstaut, denn fotografieren wird hier nicht gerne gesehen.

IMG_4554_1 (Large) IMG_4557_1 (Large) IMG_4558_1 (Large) IMG_4565_1 (Large) IMG_4566_1 (Large) IMG_4568_1 (Large) IMG_4570_1 (Large) IMG_4571_1 (Large) IMG_4574_1 (Large)Auch San Juan Chamula statten wir einen kurzen Besuch ab. Vor allem die Kirche (in deren Innenraum fotografieren leider auch verboten ist), ist einen Abstecher wert. Hier wird in wahrscheinlich einzigartiger Weise der christliche Glaube mit dem traditionellen Glauben der indigenen Bevölkerung verbunden. Betritt man die Kirche, findet man durchaus bekanntes: Heiligenstatuen und Christus am Kreuz sind entlang der Wände und hinter dem Altar aufgereiht. Allerdings besitzt der Kircheninnenraum keine Bänke, der Boden, auf dem die Gläubigen sitzen, ist komplett mit duftenden Kiefernnadeln ausgelegt. Blumen und Kerzen füllen jedes letzte Eckchen der Kirche und tauchen das Ganze in warmes Licht.

Auf Tsotsil murmelnd beten die Besucher der Kirche zu den verschiedenen Heiligen, ein älterer Herr hat ein lebendiges Huhn dabei. Das damit verbundene Ritual können wir leider nicht miterleben: ein Schamane bewegt böse Geister, beispielsweise eine Krankheit, durch Rülpsen (!!) dazu, vom jeweiligen Menschen in ein lebendiges Huhn überzugehen, welches anschließend geopfert wird.

IMG_4578_1 (Large)Zu den touristischen Highlights in Chiapas gehören definitiv die Maya-Ruinen von Palenque, sowie die Wasserfälle von Agua Azul. Da wir unsere weitere Route so geplant haben, dass wir von Chiapas aus zunächst nach Guatemala einreisen, und von dort eine Schleife hoch nach Yucatan drehen, liegt beides leider nicht wirklich auf dem Weg.

Da wir die beiden trotzdem nicht auslassen möchten, tun wir etwas, das wir bis jetzt wenn möglichst tunlichst vermieden haben und buchen eine Hardcore-Tagestour. Abfahrt um 5 Uhr, Rückkehr um 23 Uhr, davon lediglich 4 Stunden „Besichtigung“, der Rest ist Fahrtzeit – Sightseeing im chinesischen Stil. Alles an diesem Tag erinnert uns wieder lebhaft daran, WARUM wir solche Touren nicht leiden können. Unfreundliche Menschen, völlig überteuerte Essens-Stops, gehetztes Umherlatschen in der Hitze mit 1,5-Stunden Deadline, um pünktlich wieder am Bus zu sein etc.

Was wir gesehen haben, war trotzdem sehr schön :)

IMG_4580_1 (Large)Agua Azul

DCIM100GOPROG0016789.

IMG_4584_1 (Large) IMG_4588_1 (Large) IMG_4589_1 (Large) IMG_4596_1 (Large)Fotoshooting zum 15. Geburtstag, dem wichtigsten Tag für die Mädels der indigenen Bevölkerung. Ab jetzt gelten sie als Frau, und werden entsprechend meist auch ziemlich zügig verheiratet…

IMG_4597_1 (Large)Misol-Ha Wasserfall

IMG_4614_1 (Large) IMG_4628_1 (Large)Die Maya-Ruinen von Palenque

DCIM100GOPROG0026802. IMG_4632_1 (Large) IMG_4634_1 (Large) IMG_4635_1 (Large) IMG_4637_1 (Large)Cati lässt uns nicht abreisen, ohne nicht Nucu, eine nur zu dieser Saison erhältliche Spezialität aus Chiapas probiert zu haben. Dabei handelt es sich um nichts anderes als riesige, geröstete Ameisen!

IMG_4550_1 (Large)Nucu auf dem Markt

Während man Nucu auch nur einfach so mit etwas Chilipulver und Limettensaft knabbern kann, bereiten wir die etwas „exotischere“ Form der Nucu-Pizza zu 😉

IMG_4643_1 (Large) IMG_4645_1 (Large) IMG_4646_1 (Large)Chiapas war bislang definitiv unser Lieblingsstaat in Mexiko und sollte bei keinem Mexiko-Besuch fehlen!

Danke liebe Cati, dass du uns so lange beherbergt hast :) Für uns geht es nun erstmal nach Süden, Richtung Guatemala…

 


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