Seit ungefähr drei Wochen sind wir nun in chinesischen Großstädten unterwegs – von Peking (21 Millionen Einwohner), über Qingdao (8,5 Millionen Einwohner), bis Shanghai (23 Millionen Einwohner) und Hong Kong (7 Millionen Einwohner). So interessant und beeindruckend diese Metropolen sind, es zieht uns aufs Land. Wir wollen Natur sehen und wir wollen etwas Ruhe, wir wollen frische Luft statt Smog, Gras statt Asphalt.

Guilin mit seinen 5 Millionen Einwohnern verlassen wir nach einer Nacht sofort wieder in Richtung Yangshuo. Aber auch dieses (für chinesische Verhältnisse) kleine Städtchen ist uns noch zu hektisch, v.a. weil zu den 300.000 Einwohnern bestimmt nochmal mindestens genauso viele Touristen dazukommen. Deshalb fahren wir noch ein Stückchen weiter – nach Xing Ping. Das Dörfchen hat zwar immer noch über 30.000 Einwohner, doch davon merkt man nichts – innerhalb von ein paar Minuten hat man sich orientiert, und hier geht alles noch etwas gemächlicher seinen Gang. Auch hier sind tagsüber chinesische Reisegruppen unterwegs, doch ihre Zahl ist überschaubar und abends sind sie alle wieder zurück in Yangshuo.

IMG_6060 (Large)Im Bus von Yangshuo nach Xing Ping

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Wie überall in China trifft man sich auch hier abends zum gemeinsamen „Tanzen“

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Doch wir sind nicht wegen des hübschen Dorfes hier, die Natur drumherum ist einfach der Wahnsinn! Hunderte von wunderlich geformten und sattgrünen Karstbergen erheben sich in der Gegend um Guilin, dazwischen schlängeln sich der Li- und der Yulong-River. In den nächsten Tagen erkunden wir diese wunderschöne Gegend zu Fuß, auf dem Fahrrad und auf dem Wasser.

IMG_6062 (Large)Endlich können wir uns wieder für wenig Geld lecker den Bauch vollschlagen!

DCIM102GOPROGut gestärkt radeln wir mit dem Tandem los!

IMG_6077 (Large)IMG_6063 (Large)Wo gehts lang?

IMG_6066 (Large)Das haben wir doch schon mal irgendwo gesehen!

IMG_6078 (Large)An dieser Stelle nochmal ein Wort zum chinesischen Tourismus. Wie schon gesagt, reisen Chinesen fast ausschließlich mit einer Reisegruppe, bei der vorneweg ein Gruppenleiter mit Fähnchen und Mikrofon marschiert. Zu Fuß gelaufen oder ähnliches wird nur das Nötigste, für alle Strecken zwischen den geplanten Stops gibt es Elektrowägelchen. Nachdem jeder Reiseteilnehmer vom Reiseleiter im Wägelchen seinen Sitzplatz zugewiesen bekommen hat, geht es dann vom Aussichtspunkt zum Souvenirstand und von dort ins Restaurant. Alles was kein Schild mit der Aussicht „Scenic Spot“ hat, ist es tendenziell schon mal nicht wert, stehenzubleiben. Auch wenn die Landschaft auf Kilometer identisch aussieht, wenn ein Landschaftsabschnitt nicht offiziell als „Aussichtspunkt“ betitelt ist, dann gibt es dort auch nichts zu sehen. Und alles, was keinen Eintritt kostet, ist per se auch schon mal touristisch uninteressant.

Für westliche Touristen ist das wirklich gewöhnungsbedürftig, denn bei uns ist ja eher immer das „einsame, abgeschiedene und besondere“ gewünscht. Würde ein Europäer sagen „der Strand war toll, und wir waren fast die einzigen Leute dort“, stellen wir uns einen Chinesen vor, der sagt, „an dem Strand war gar niemand, der war also nicht toll“.

Wie auch immer, das ganze hat wie immer den entscheidenden Vorteil, dass nichts einfacher ist, als den chinesischen Touristen aus dem Weg zu gehen. Einen Kilometer hinter dem „Scenic Spot“ hat man die exakt identische Landschaft plötzlich ganz für sich alleine :)

DCIM102GOPRO IMG_6082 (Large) IMG_6085 (Large) IMG_6106 (Large) IMG_6114 (Large)Wir radeln durch Mandarinen- und Pomelo-Plantagen, kommen durch kleine Dörfer und treffen ausser ein paar Einheimischen bei der Feldarbeit den ganzen Tag niemanden mehr…

IMG_6126 (Large) IMG_6129 (Large) IMG_6132 (Large) IMG_6135 (Large) IMG_6139 (Large) IMG_6144 (Large)Achtung, Chili-Strauchdiebe unterwegs!

IMG_6147 (Large) IMG_6161 (Large) IMG_6162 (Large) IMG_6184 (Large) IMG_6191 (Large)An einem anderen Tag hatten wir uns eine Wanderung vorgenommen, auch das wieder bei 40 Grad und einer unfassbaren Luftfeuchtigkeit.

Unser Hostel „hat da mal was vorbereitet“ in Form einer sehr akkuraten Wegbeschreibung.

IMG_6235 (Large) IMG_6280 (Large) IMG_6284 (Large)

Wir überqueren einen der grünen Zipfelmützen-Berge

IMG_6285 (Large) IMG_6289 (Large)Zwischendurch kann man sich schon mal kurz fragen, ob ma noch auf dem richtigen „Weg“ ist

IMG_6296 (Large)Endlich – Fluss in Sicht!

IMG_6306 (Large) IMG_6307 (Large)Endlich am Fluss angekommen, werden wir gleich von mehreren Damen belagert. Da wir wohl so ziemlich die einzigen Kunden an diesem Tag waren, wollte man uns gleich mit einer Rundumversorgung beglücken. Eine Pomelo, kalte Getränke und ein paar frittierte Fischchen am Spieß, ja das leuchtet uns ein!

IMG_6313 (Large)Aber was zum Teufel sollen wir jetzt mit dem Mao Zedong Teelicht?

IMG_6322 (Large)Besonders hartnäckig war die „Bamboo, Bamboo“-Frau, die uns unbedingt mit ihrem Bambusfloß zurück nach Xing Ping bringen wollte. Wir versuchten irgendwie, ihr klar zu machen, dass wir noch am Fluss entlang spazieren wollen, schwimmen gehen und irgendwann, eventuell, unter Umständen, zurück kommen um dann ihr Bambusfloß in Anspruch zu nehmen. Sie interpretierte unsere Pantomime jedoch als „Wir springen nur noch schnell ins Wasser, komm du schon mal mit, und dann fahren wir mit deinem Boot sofort zurück nach Xing Ping.“

Und so begann die Flucht vor der Bamboo-Frau: hartnäckig folgte sie uns Kilometer um Kilometer am Flussufer entlang, trotz all unserer Versuche, sie vom Gegenteil zu überzeugen. Kilometer um Kilometer wurden wir genervter und lauter, doch seelenruhig lief sie weiter hinter uns her und rief immer nur „Bamboo, Bamboo“ und wir sollten doch hier um Himmels Willen nicht zu Fuß laufen! Es dauerte nicht lange, bis wir allein aus Prinzip nicht mehr aufs Bamboo gestiegen wären…

Trotz unseres Schattens genossen wir die mal wieder atemberaubende Landschaft am Flussufer…

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Zwei Stunden später fanden wir dann tatsächlich noch den wunderbarsten Badeort am ganzen Fluss: kaum Bootsverkehr, kühles Wasser dank Strömung und eine kleine, nur vom Wasser (oder in 2h zu Fuß) zu erreichende Bucht. Unser Schatten versteckte sich solange in den Bäumen, und wir versuchten das ganze mittlerweile mit Humor zu nehmen, und die Frau einfach zu ignorieren.DCIM102GOPRO DCIM102GOPROAllerdings ging es nun zu Fuß tatsächlich nicht mehr weiter, und so musste nun ein Bambusfloß her. Wie durch Wunder kam auch bald eins vorbei – vermutlich hat sich die Verfolgungsjagd unseres Schattens doch noch ausgezahlt und sie hat einfach kurz per Handy ihrem Sohn/ Cousin/ Neffen Bescheid gegeben. Uns solls egal sein, und irgendwie hat sie sich das Geschäft dann ja doch redlich verdient, immerhin ist sie 2 Stunden über Stock und Stein gewandert :)

IMG_6399 (Large) DCIM102GOPRO

Juhu, eine Spende!

Und als würde es uns Xing Ping nicht schon gut genug gehen, konnte wir dank einer Mega-Spende auch noch so richtig die Sau raus lassen! Ganze 60€ wurden auf unser Konto gespült und die wurden in eine schöne Unterkunft und leckeres Essen investiert!

DCIM102GOPRO3 Nächte im Doppelzimmer des „This Old Place“ Hostels für insgesamt 30€ mit herrlichem Blick auf die Karstberge vom Bett aus

IMG_6414 (Large)Von der Dachterrasse ließ sich wunderbar der Sonnenuntergang beobachten

Zusätzlich zu den drei Übernachtungen waren noch drei Abendessen inkl. Bierchen in unserem Lieblingslokal „Warm Cafe“ drin:

IMG_6233 (Large)„Stir Fried Eggplant Specialty“ plus Salat

IMG_6447 (Large)Kartoffelstreifen, in Chili und Knoblauch angebraten, Li River Shrimps mit Ingwer und Paprika und etwas gegrilltes Gemüse

IMG_6655 (Large)Die lokale Spezialität „Li River Beer Fish“ und einen Teller Fried Rice, und zum Nachtisch gebackene Bananen

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Vielen, vielen Dank für dieses Wohlfühl-Package, Mom & Dad!!!!

Für unseren vorletzten Abend hatten wir uns noch den Aufstieg auf den Laozhai Hill vorgenommen.

IMG_6458 (Large)1159 schweißtreibende Stufen…

IMG_6488 (Large)Aber die Aussicht ist es definitiv wert!

IMG_6477 (Large)Geschafft!!!

DCIM102GOPRO IMG_6501 (Large)DCIM102GOPRO DCIM102GOPRO IMG_6502 (Large) IMG_6503 (Large) IMG_6528 (Large) IMG_6542 (Large)

Nach fünf Tagen verabschieden wir uns nur schweren Herzens von unserem Wohlfühlort Xing Ping…

IMG_6627 (Large) - Kopie


Kommentare

Xing Ping – Raus aufs Land! — 10 Kommentare

  1. Hallo ihr zwei, also die Bilder sind atemberaubend und Dank der neuen Kamera auch noch einen Tick besser (wenn das überhaupt noch geht). Ich bin beeindruckt über den Bericht und freu mich wahnsinning zu sehen wie gut es euch geht. Weiter so !!
    Bussi Mum

  2. Heeeeey, nice scenery! Besser als die wiesn Kopie ;)… Weiter so! :)… Und christo, so kahl geschoren passt kombiniert nur gut mit viel Eiweiß – und immer schön mit Erde eincremen für den brauen Tan.

  3. Mensch, sind das tolle Bilder und ein wirklich schöner Bericht!
    Da fühlen Uli & ich uns doch gleich wieder direkt zurück versetzt in das schöne Yangshuo, wo wir so ähnliche Erfahrungen gemacht habt. (Ich frage mich gerade, ob die „Bamboo.Bamboo-Frau wohl dieselbe war :-D…)
    Viele Grüße aus Chiang Rai
    Uli & Sabine

    • Vielen Dank für das Kompliment! Haha, das mit der Bamboo Frau kann sogar sein, wir haben im Nachhinein in unserem Hostel einen Zettel entdeckt „In the fishing village, there may be a certain woman following you around…“. Viel Spaß in Thailand und Grüße zurück aus dem kalten Shangri-La!

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