Mit der Abreise vom Baikalsee ist es mit den „ruhigen“ Tagen erstmal vorbei, es folgt eine Zeit der Busfahrten und der Organisation.

Zunächst ging es 10 Stunden von Olchon zurück nach Irkutsk, nach einer Übernachtung fuhren wir gleich am nächsten Tag weiter nach Ulan-Ude an der Ostseite des Baikalsees – in etwa noch einmal genauso lang. Das hat man nun davon, wenn man im größten Land der Welt unterwegs ist. Dort sitzt man dann eingezwängt zwischen anderen Passagieren und seinem Gepäck, zum schlafen oder lesen ist es zu unbequem und holprig. Außer Musik hören und aus dem Fenster schauen bleibt da nicht viel – da kann man schon mal geschlagene zwei Stunden überlegen, wie denn zum Teufel gleich wieder der Sänger von Metallica heisst. Zeit ist eben relativ.

Tja, das gehört eben auch zum Reisen: aufstehen um 5.30 Uhr, den ganzen Tag Minibus-fahren, gegen Mitternacht endlich am gebuchten Hostel ankommen, nur um festzustellen, dass dort kein Bett frei ist und somit nochmals mit dem Gepäck quer durch die Stadt laufen… den folgenden Tag verbrachten wir in Ulan-Ude und machten dort erstmal nicht viel. Hauptsehenswürdigkeit ist der größte Lenin-Kopf der Welt 😉

IMG_3084 (Large)IMG_3085 (Large)DCIM102GOPROSiesta unter Lenins wachsamen Augen

IMG_3078 (Large)Die Fußgängerzone Ulan-Udes. Hier hatten wir zwei denkwürdige Begegnungen innerhalb nur einer halben Stunde. Wir sitzen dort gemütlich im Schatten bei einem Bier, als sich plötzlich ein Russe vom Nachbartisch umdreht und „Deutschland?“ ruft. Wir bejahen und sofort steht er auf und geht. Wir schauen ihm irritiert hinterher – nur 1 Minute später steht er wieder vor uns und überreicht uns feierlich zwei Softeistüten. Mit einem „Adolf Hitler!“ und dem Hitlergruß verabschiedet er sich und ist auch schon wieder weg. Mann, haben wir blöd geschaut…

Nur kurz darauf bleibt wieder ein älterer Herr stehen. „Sie Deutsche?“ fragt er. Vorsichtig behajen wir. Er freut sich sehr, weil er hat schon seit Jahrzehnten „kein lebendige, echte Deutsche“ mehr gesehen. Er setzt sich zu uns und wir erfahren, dass er als Kind nach dem zweiten Weltkrieg mit seinem Vater in Sibirien im „tiefe, grüne Wald“ gewohnt hat. Ein deutscher Soldat in russischer Gefangenschaft war ihnen dort sozusagen „zugeteilt“ worden, der dann gemeinsam mit seinem Vater Landvermessungen durchführte „mit seine Lineale und Instrumente“. Über die Jahre hat er von diesem Soldaten recht gut Deutsch gelernt. Die Fragen, die ihm jetzt am meisten auf der Seele brannten, waren, ob die Gefängnisse in Deutschland voller Räuber und Mörder seien und ob Bertold Brecht und Günther Grass noch leben.

DCIM102GOPRORussisches Fast-Food

An unserem letzten Abend in Russland genossen wir nochmal auf dem Balkon unseres Hostels eine ordentliche Brotzeit. Dunkles Brot und Emmentaler wird ab jetzt wohl kaum mehr aufzutreiben sein.

DCIM102GOPRO IMG_3088 (Large)IMG_3090 (Large) IMG_3093 (Large) IMG_3097 (Large)Der nächste Tag startet wieder früh, gleich um 7 Uhr starten wir los in Richtung mongolischer Grenze. Zunächst bringt uns ein Kleinbus in 3-4 Stunden zur russischen Grenze und gleich auch noch drüber (man kann die Grenze nicht zu Fuß überqueren).

IMG_3102 (Large)Nach einer ausgiebigen Gesichtskontrolle und ganz fiesen Kontrollfragen (when is your birthday?) dürfen wir aus Russland aus- und in die Mongolei einreisen. Erfreulicherweise braucht man als Deutscher seit September 2013 kein Visum mehr für die Mongolei und wir bekommen anstandslos einen Stempel für 30 Tage.

IMG_3104 (Large)Diese Dame hat sich zwei Hosen übereinander angezogen und sich den kompletten Hintern mit ominösen Stofflagen vollgestopft – und das alles direkt vor der Grenze, in Sichtweite der Grenzbeamten. Allerdings hat sie niemand gefragt, was sie da eventuell zu schmuggeln gedenkt.

Und weiter ging unsere holprige Fahrt, weitere 8-9 Stunden durch die mongolische Steppe bis in die Hauptstadt Ulan Bator. Bereits auf der Fahrt bekamen wir einen ersten Eindruck von diesem Land – grüne Hügel soweit man blickt, Viehherden über Viehherden, weiße Gers (Nomadenjurten). 4jährige Jungs reiten im gestreckten Galopp neben unserem Auto her. Wow, der erste Eindruck macht Lust auf mehr.

Die nächsten zwei Tage verbringen wir in Ulan Bator. Die Hauptstadt der Mongolei ist ein wilder Mix aus bröckelnden Sowjetgebäuden, hochmodernen Glasbauten und Jurten am Stadtrand. Irgendwie passt hier nichts zusammen. Wir sind positiv erstaunt: die Mongolen sprechen viel mehr Englisch als die Russen, die Supermärkte sind voller westlicher (vor allem Deutscher) Produkte und das Angebot an Restaurants beitet alles was das Herz begehrt.

IMG_3106 (Large) IMG_3113 (Large) IMG_3122 (Large) IMG_3108 (Large)IMG_3109 (Large)Koreanische Nudelsuppe oder doch lieber nen Döner?

Wir verbrachten hier erstmal zwei Tage die vor allem von Organisation und Planung bestimmt waren. Was wollen wir in der Mongolei überhaupt sehen? Und wie stellen wir das an? Irgendwie sind wir erstmal völlig planlos, die Möglichkeiten sind schier endlos, und die Touranbieter rennen einem die Türe ein.

Außerdem brauchen wir ja noch ein chinesisches Visum – die Nachbarn im Osten sind mindestens genauso stressig wie die Russen. Einladungsschreiben, Kontoauszug, Flugbuchungen usw. Sogar Kontrollanrufe bei der angegebenen Adresse auf dem Einladungsschreiben. Und dann auch noch diese Schlange vor dem Konsulat:

IMG_3110 (Large)Für das Visum benötigt man ein Ein- und Ausreiseticket aus China, was wir natürlich beides nicht haben. Die zahlreichen Flugbüros in UB stellen einem gefälschte Flugtickets aus, und das auch noch völlig gratis. Man muss nur sagen „Ich brauche Tickets für ein Visum nach China“, und muss sich dann nur noch die gewünschten fiktiven Reisedaten überlegen.

DCIM102GOPROIMG_3120 (Large)Der allgegenwärtige Dschinggis Khan

IMG_3116 (Large) IMG_3117 (Large) IMG_3123 (Large)IMG_3124 (Large) IMG_3135 (Large)Wilder Gebäudemix

Morgen verlassen wir erstmal Ulan Bator, grob geht es zunächst Richtung Karakorum (Charchorin). Alles weitere wird sich hoffentlich dann auf dem Weg ergeben…

 


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