Tag 8: zum Everest Base Camp (5360m) und nach Gorakshep (5140m)

Das heutige Tagesziel ist für die meisten der Grund, diese Wanderung überhaupt erst in Angriff zu nehmen – jeder möchte schließlich am Basecamp des Mount Everest stehen. Näher kann man als Normalsterblicher dem höchsten Berg der Erde nicht kommen, wenn man sich nicht an die Gipfelbesteigung heranwagt.

Doch zunächst geht es nach Gorakshep, der höchstgelegenen Siedlung auf unserem Trek, ein Ort der einzig und allein aus Herbergen besteht und der ohne Tourismus gar nicht existieren würde. Auch der Weg hierhin geizt mal wieder nicht mit Schönheit.

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Nach dem Mittagessen lassen wir hier unser Gepäck zurück, da wir abends hier auch schlafen werden, und machen uns auf den Weg in Richtung Everest Base Camp, kurz EBC. Dieses ist der Ausgangspunkt für die Gipfelbesteigung über die Südroute des Berges.

Der Weg führt über Geröll und einen langen Bergkamm hinunter auf den Khumbu-Gletscher. Der Khumbu-Gletscher wird von den Hängen des Mount Everest, Lhotse und Nuptse gespeist und beginnt im sogenannten „Tal des Schweigens“, welches wir nun durchqueren. Tatsächlich ist dies mit Sicherheit einer der stillsten Orte, an denen wir jemals waren, kein Laut ist hier zu hören bis auf die eigenen Schritte und der eigene Atem. Am Ende des Eisbruch befindet sich die etwa 600m hohe Abbruchkante, der Khumbu-Icefall. Dieser muss bei der Gipfelbesteigung als erstes überwunden werden.

Ohne Guide wäre es hier echt schwierig, den Weg durch das Labyrinth aus riesigen Felsbrocken, Gletscherspalten, kleinen Seen und Höhlen zu finden.

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Und plötzlich sind wir da und stehen vor dem kleinen, symbolischen Berg aus Gebetsfahnen, Fotos und Andenken mit dem vergleichsweise unspektakulären „Everest Base Camp, 5360m“ – Schild. Ironischerweise ist der höchste Berg der Welt von seinem Basislager aus so gut wie gar nicht zu sehen, da er sich hinter dem Khumbu-Icefall versteckt.

IMG_1490_1 (Large) IMG_1494_1 (Large) IMG_1497_1 (Large)Das Basecamp selbst liegt jetzt im Februar verlassen vor uns – die Saison für die Besteigung des Mount Everest erstreckt sich nur von März bis April, dann sieht man im Basecamp viele Expeditionszelte und es herrscht reger Trubel.

Die Besteigung des höchsten Berges der Welt ist längst Massentourismus und kann (mit dem nötigen Kleingeld) aus dem Katalog gebucht werden. Insgesamt wird, vor allem von Seiten der „echten Alpinisten“ harte Kritik am Everest-Tourismus geübt. Hunderte Bergsteiger versuchen jedes Jahr ihr Glück, der Everest wird auch als „höchste Müllkippe der Welt“ bezeichnet, so viele Leute sind auf ihm unterwegs. Immer mehr Abenteuer-Touristen zieht es aus Prestige-Gründen auf diesen Berg, bis hin zum Gipfel ist der Weg mit Leitern, Seilen und Ketten präpariert, um die Besteigung so „einfach“ wie möglich zu gestalten.  Eine gefährliche Arbeit die vor Saisonbeginn von Sherpas erledigt wird. Im April 2014 sind dabei im bislang größten Everest-Unglück 16 Sherpas in einer Lawine ums Leben gekommen. Um dem daraus resultierenden Einbruch der Besucherzahlen entgegenzuwirken, wird übrigens für diese Saison die Klettererlaubnis statt der normalen 25.000 nur noch 11.000 Dollar kosten.

Hillary war 1953 zusammen mit Tenzing Norgay der erste Mensch auf dem Gipfel, Reinhold Messner schaffte es zusammen mit Peter Habeler 1978 erstmals ohne Sauerstoff. Messner spricht heute sogar von der „Banalisierung des Everest“, die Besteigung sei heute Geldmacherei mit Leuten, die vom Bergsteigen keine Ahnung haben und habe mit dem wilden, ungezähmten Berg von damals nichts mehr gemeinsam.

Im Zuge der Besteigung verbringt man insgesamt 2-3 Monate im Basecamp, wo man immer wieder zum Highcamp 1 und 2 aufsteigt und zurückkehrt, bis sich irgendwann ein Zeitfenster für die Gipfelbesteigung öffnet.

Trotz all dieser Kritik und Negativschlagzeilen ist dies ein ganz besonderer Ort und ein breites Grinsen macht sich auf unseren Gesichtern breit. Wir versuchen uns klarzumachen, dass wir tatsächlich gerade am Fuße des höchsten Berges der Welt stehen und uns unsere eigenen Füße bis hierher getragen haben. Wir sind mächtig stolz und mächtig glücklich, es ist ein ganz besonderer Moment für uns.

IMG_1506_1 (Large) IMG_1514_1 (Large) IMG_1520_1 (Large)Allzu lange halten wir uns im Basecamp jedoch nicht auf, denn es ist einfach viel zu kalt. So machen wir uns auf den Weg zurück nach Gorakshep – am nächsten Tag wartet noch eine zweite große Herausforderung auf uns: die Besteigung des Kala Phattar.

Tag 9: Kala Patthar (5550m) und zurück nach Pheriche

Der heutige Tag beginnt eine Stunde früher als üblich – bereits um 6.30 sitzen wir beim Frühstück und versuchen, uns die klammen Finger am noch lauwarmen Ofen zu wärmen.

Zur Hauptsaison beginnt man die Besteigung des Kala Patthars oftmals schon um 4 Uhr morgens, um pünktlich zum Sonnenaufgang auf dem Gipfel zu stehen. Jetzt im Februar tut sich dies kaum jemand an – nachts herrschen am Berg Temperaturen von -30 Grad und eisige Winde.

So machen wir uns um 7 Uhr auf den Weg den „schwarzen Stein“ hinauf, wie der Name übersetzt heisst. Der Kala Patthar ist eigentlich ein Vorgipfel des Pumori, und da er so „klein“ ist, zählt in der Nepal offiziell nicht mal zu den Bergen 😉

Der Weg ist steil und im sandigen Geröll rutscht man oft eher einen halben Schritt wieder zurück.

IMG_1541_1 (Large)Hier gehts nach oben…

IMG_1558_1 (Large)Im Hintergrund der Pumori

In dieser Höhe beginnt bei mir relativ schnell der Kampf mit der Lunge – die eiskalte Luft in Verbindung mit dem geringen Sauerstoffgehalt bringt meine Luftröhre dazu, sich auf gefühlt ein Zehntel ihres normalen Umfangs zusammenzuziehen. Es ist ein Gefühl, als würde mir jemand mit beiden Händen die Luft abschnüren und jede größere Anstrengung (also quasi jeder Schritt) führt fast zum Hyperventilieren. Ähnliches hatte ich auch schon mal in Bolivien am Huayna Potosi erlebt, so dass ich diesmal zumindest nicht völlig überrascht in Panik verfiel.  Schritt für Schritt ging es im Schneckentempo weiter, die Augen stur auf den Boden gerichtet und dem Rhythmus der Wanderstöcke folgend.

IMG_1544_1 (Large) IMG_1546_1 (Large)Irgendwann, ca. 200 Höhenmeter vom Gipfel entfernt, muss ich dann schweren Herzens das Handtuch werfen. Das Atmen wird immer schwerer, ich pfeife wie ein Teekessel und ich bin so langsam, dass ich praktisch rückwärts gehe. Ein Blick nach oben zeigt außerdem, dass die Wolken immer näher kommen, um bald das schöne Bergpanorama zu verstecken.

Also warte ich einfach auf halber Strecke, während Christo und Nando im Rekordtempo den restlichen Weg zum Gipfel zurücklegen. Doch auch meine Wartezeit, auf einem Stein in der Sonne, mit Blick auf den Mount Everest, in absoluter Stille und ganz alleine, ist nicht zu verachten. Plötzlich ist auch noch ein lautes Grummeln zu hören, der ganze Berg scheint von innen heraus zu rumoren und man sieht an der Flanke eine Lawine abgehen – was für ein Anblick!

Christo derweil geniesst den umwerfenden Rundumblick vom Gipfel des Kala Patthar auf 5550 Metern. Der Gipfel des Mount Everst ist nur 10km Luftlinie entfernt, und auch der Nuptse sieht zum Greifen nahe aus.

DCIM100GOPROG0793728. DCIM100GOPROG0793732. IMG_1561_1 (Large) IMG_1563_1 (Large)Der Mount Everst in seiner vollen Pracht!!!! Wow!!!

IMG_1569_1 (Large) IMG_1572_1 (Large) IMG_1573_1 (Large) IMG_1575_1 (Large) IMG_1583_1 (Large)Von links nach rechts: Mount Everest (8848 m), Christo (1,96 m), Nando (1,58 m), Nuptse (7861 m), Ama Dablam (6814 m)

Doch mit der Besteigung des Kala Patthar ist unser Tagesssoll noch nicht erfüllt, nach dem Mittagessen in Gorakshep machen wir uns gleich noch auf den Rückweg, es geht wieder nach unten. Heute sollten wir merken, wie schnell das Wetter im Himalaya umschlagen kann – nur eine Stunde nach dem herrlichen Wetter am Kala Patthar ziehen plötzlich die Wolkebn herein und es beginnt heftig zu schneien. Schnell sind die Wege zugeschneit und wären für uns ohne Guide nicht mehr zu finden. So jedoch schaffen wir es bis zum Abend noch nach Pheriche, wir sind wieder auf 4240 Metern.

IMG_1603_1 (Large)IMG_1608_1 (Large)IMG_1612_1 (Large)Der Yeti! 😀

Ganz ist unser Wanderabenteuer noch nicht zu Ende, wir haben da noch eine kleine Extra-Schleife geplant… dazu bald mehr :)


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