Als bekennende Wiesn-Fans sind wir ja schon etwas traurig, das große Fest dieses Jahr zu verpassen. Doch das müssen wir jetzt gar nicht mehr sein, denn wir waren dieses Jahr schon auf dem Oktoberfest und das sogar noch einen Monat vor den Münchnern! Ha!

Das „Qingdao International Beer Festival“ ist das größte Bierfest Asiens und findet seit 1991 in Qingdaos „Beer City“ statt. Die Besucherzahlen von 2-3 Millionen jährlich können sich durchaus sehen lassen.

Unser Fazit schon mal vorneweg: „Die spinnen die Chinesen!“ – trotzdem hatten wir sehr viel Spaß. Hier unser ultimativer Guide zur chinesischen Wiesn:

1. Die Anreise

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Von Peking aus ist Qingdao schnell und einfach mit dem „Bullet Train“ zu erreichen. Zugfahren in China ist ja ein Erlebnis an sich. Chinesische Bahnhöfe stellen die meisten deutschen Flughäfen in den Schatten und man steigt auch nicht einfach in den Zug, nein, man boarded, und zwar an seinem Gate, nachdem man durch die Sicherheitsschleuse ist. Dann gleitet man entspannt mit 300km/h und enormer Beinfreiheit über die Lande, während man sich am Heißwasserspender noch eine Nudelsuppe aufbrüht.

Da können deutsche ICEs nicht mithalten:

1 Punkt für Qingdao

DCIM102GOPRO IMG_4816 (Large) IMG_4820 (Large)Wo das Oktoberfest jedoch zentral mitten in München stattfindet, wurde das Beer Festival an den äußersten Stadtrand verbannt – durch den unmöglichen Verkehr in Qingdao (die U-Bahn ist noch im Bau), waren wir mit dem Bus sicherlich knappe 1,5 Stunden zur „Beer City“ unterwegs…

Ganz klar:

1 Punkt für München!

 

2. Das Vorglühen

DCIM102GOPRO IMG_5033 (Large)Qingdao ist die Stadt des Bieres in China, von hier stammt das berühmte (und sehr süffige) Tsingtao Bier. In den Straßenrestaurants bekommt man es stilecht aus dem Fass in die Plastiktüte gezapft, hier kostet der Liter weniger als einen Euro.

Eine private Pre-Wiesn Party mit dem Augustiner-Fassl ist jedoch auch nicht zu verachten

1 Punkt für beide!

 

3. Die Bierzelte

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Im Gegensatz zur Münchner Wiesn, auf der nur Münchner Brauereien ihr Bier verkaufen dürfen, ist das Fest in Qingdao, wie der Name schon sagt, international. Neben Tsingtao sind hier einige deutsche Brauereien sowie Budweiser, Carlsberg, Tiger etc. vertreten. Einige kleinere Brauereien sind nur mit kleinen Verkaufsständen vor Ort.

IMG_4850 (Large) IMG_4869 (Large) IMG_4872 (Large) IMG_4891 (Large) IMG_4902 (Large)Die Bierzelte selbst sehen eigentlich aus wie zu Hause – nur kleiner – und mit blinkender Neonbeleuchtung – und halb leer – und mit ner großen hässlichen Bühne. Also eigentlich doch ganz anders :) Ganz klar:

1 Punkt für München!

Dass die Zelte halb leer sind, hat jedoch auch einen entscheidenden Vorteil: keine Reservierungen, kein stundenlanges Warten vor dem Zelt, kein Kampf um einen Tisch: hier wird man sogar noch freundlich hereingebeten und an den Tisch begleitet. Das größte Übel des Oktoberfestes fällt somit weg, das gibt fette:

2 Punkte für Qingdao!

 

4. Der Bierpreis

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Unglaublich, aber wahr – der Bierpreis ist noch schlimmer als in München. Die Mass Bier kostet 100 Yuan – nach dem aktuellen Wechselkurs stolze 12,40€. Auf dem Foto auch schön zu sehen – frisch gezapft ist anders :)

Für 12,40€ bekommt man in Qingdao 7 große Schüsseln Nudeln, fast 2 Übernachtungen, oder 12 Liter Bier in der Altstadt :) Ganz klar also:

1 Punkt für München!

Für uns war der Bierpreis jedoch weniger ein Problem:

IMG_5005 (Large)Unsere neuen Freunde mit den Hasenohren hatten gleich mal einen Pitcher (1,25 Liter) Paulaner Salvator für uns, gefolgt von einem Pitcher Carlsberg.IMG_5010 (Large)Und auch unsere nackigen Freunde ließen nochmal das ein oder andere Bierchen springen – als deutscher Tourist ist es hier also durchaus möglich, völlig gratis über die Runden zu kommen. Alle auf dem Fest anwesenden Chinesen sind durchweg stinkendreich (siehe Punkt 4: Bierpreis), beim Öffnen der Geldbeutel blitzten uns die dicken Bündel an Scheinen entgegen, und sehr spendabel.

Das gibt einen Sonderpunkt:

1 Punkt für Qingdao!

 

5. Das Unterhaltungsprogramm

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Die Bespaßung in München ist bekannt und bewährt: Blasmusik, Schlager, DJ Ötzi, Schunkeln und Springen auf den Bänken.

In China sieht das „ein bisschen“ anders aus. Hier treten vor allem exzentrische Alleinunterhalter auf, die in brüllender Lautstärke grausame chinesische Popmusik zum besten geben. Auch Akrobatik-Aufführungen sind sehr beliebt.

IMG_4944 (Large)Das Krombacher-Zelt hat sich auch was besonderes einfallen lassen…

IMG_4948 (Large)Und was macht eigentlich der Clown hier?!?

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Alles, was vom Publikum spendiert wird, muss vom Sänger geext werden.

IMG_4956 (Large) IMG_4960 (Large)Gleiche Frage: was macht eigentlich die Ente hier? (das unverschämte Viech wollte auch noch Geld für das aufgezwungene Bild)

IMG_4973 (Large)Zwischendurch werden noch hässliche Wandbilder an die Betrunkenen versteigert

IMG_4990 (Large)Wir waren des öfteren auf der Bierzelt-Leinwand zu sehen :)

Nun gut, für viele mag Das Rote Pferd und das Fliegerlied genauso schlimm sein wie chinesiche Karaoke – für uns ist der Fall trotzdem klar:

1 Punkt für München!

 

6. Das Essen

Halbes Hendl, Riesenbrezn, Schweinshaxn und Co. – davon ist hier noch nichts angekommen. Hier ist die Verköstigung typisch chinesisch: Fleisch- und Meeresfrüchte-Spießchen, Dumplings, Nudeln, und McDonalds (ja, auch der).

IMG_4864 (Large) IMG_4964 (Large)IMG_4972 (Large)Auch ein typisch chinesisches Phänomen: es wird soviel Essen bestellt, bis sich der Tisch fast durchbiegt und am Ende wird er fast genauso voll einfach verlassen. Soll wohl den Status des Bestellers unterstreichen, und konnten wir so schon in vielen Restaurants beobachten. Das sind wohl die Kandidaten fürs Käfer-Zelt :)

Ach ja, ein bisschen „deutsches Essen“ haben wir doch noch gefunden:

IMG_4915 (Large) IMG_4852 (Large)Auch hier müssen wir wieder patriotisch sein:

1 Punkt für München!

 

7. Die Tracht

Seht selbst…

IMG_4855 (Large) IMG_4862 (Large) IMG_4917 (Large)Bierzelt-Bedienung

IMG_4946 (Large) IMG_4962 (Large)Netter Versuch, aber:

2 Punkte für München! :)

 

8. Die Stimmung

Das müssen wir den Chinesen lassen – die Stimmung war erstaunlich gut. Obwohl die Zelte die meiste Zeit des Tages äußerst leer sind, wird am Abend hier und da doch ganz ordentlich gefeiert. Die Chinesen sind sehr offen und freuen sich sehr über Besuch aus Deutschland, was es sehr einfach macht, mit ihnen in Kontakt zu kommen. Dank ihrer Spendierhosen hatten wir außerdem ordentlich einen sitzen und einen sehr spaßigen Abend!

DCIM102GOPRO IMG_4856 (Large) IMG_4885 (Large) IMG_4921 (Large) IMG_4933 (Large) IMG_4935 (Large) IMG_4978 (Large) IMG_4982 (Large) IMG_4983 (Large) IMG_4985 (Large) IMG_4997 (Large) IMG_5002 (Large) IMG_5003 (Large) IMG_5007 (Large) IMG_5008 (Large) IMG_5025 (Large)

Obwohl sich die Stimmung natürlich nicht im Entferntesten mit München vergleichen lässt, hatten wir trotzdem einen super Abend, und vergeben deshalb (zumindest für dieses Jahr):

1 Punkt für Qingdao!

 

9. Das Sightseeing-Programm

Natürlich sind wir nicht 3 Tage lang nur im Bierzelt gesessen. Qingdao hat noch mehr zu bieten.

Wir schlendern durch die Stadt und probieren uns mal wieder quer durchs Streetfood:

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Die beste Nudelküche der Stadt:

IMG_5037 (Large) IMG_5043 (Large)IMG_5038 (Large)Der vielbeschäftigte Nudelschaber-Junge

Ein besonderes Spektakel ist ein Gang zum Strand. Nicht weil der so toll oder gar einsam ist, sondern weil man stundenlang Chinesen am Strand beobachten könnte.

IMG_4825 (Large)In China ist man nie alleine…

Schwimmen kann fast keiner, deshalb sieht man alle entweder nur bis zu den Knien im Wasser stehen oder in quietschbunten Schwimmreifen rumdümpeln. Da Salzwasser und Sonne auch gefährlich zu sein scheinen, sind manche Strandgänger auch komplett verhüllt (ohne Witz, wir haben sogar Chinesen im Ganzkörper-Neoprenanzug und mit Schwimmflügeln planschen sehen).

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IMG_4833 (Large)Außerdem graben sie sich auch gerne in den Sand ein…

IMG_4834 (Large) IMG_4838 (Large)Der Pavillon ist auf jeder Tsingtao-Bierflasche abgebildet

IMG_4839 (Large) IMG_4842 (Large)Bei Ebbe suchen alle nach… ja nach was eigentlich?

Für kurze 20 Jahre war Qingdao mal deutsche Kolonie, das ist auch abgesehen vom Bierfest nicht zu übersehen:

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IMG_5076 (Large)Was immer das ist – es steht wohl schon ein Weilchen im Regal

Generell hat München bestimmt mehr für Touristen zu bieten, aber München kennen wir ja schon :) Deshalb gibts von uns:

1 Punkt für Qingdao!

In Qingdao kamen wir erneut in den Genuss eines spendablen Lesers: diesmal gab es für 10€ ein leckeres Abendessen!

Dazu schlenderten wir durch die Gassen Qingdaos, wo wir frisches Seafood einkauften. Mit der noch lebenden Ware in den Tüten ging es dann in die nächste Garküche, wo das Ganze für wenig Geld schmackhaft zubereitet wird.

IMG_5052 (Large) IMG_5049 (Large) IMG_5048 (Large)Für 10€ inkl. Brutzeln kamen wir so in den Genuss von:

500g Muscheln

600g Fisch

600g Garnelen

IMG_5081 (Large) IMG_5082 (Large) IMG_5084 (Large)Vielen Dank Rainer Werner!!!

 

10. Das Finale

Alles in allem steht es also in unserem (nicht ganz ernst gemeinten und schon gar nicht objektiven) Wettstreit:

Qingdao 7 – München 8

Ein knapper Sieg für die Münchner Wiesn! In diesem Sinne: Ein Prosit! oder Gan Bei! wie der Chinese sagen würde!


Kommentare

O’zapft is – Oktoberfest auf chinesisch! — 4 Kommentare

  1. Hallo ihr zwei, der Zug is ja da Wahnsinn, mit 300 Sachen durch die Gegend, brutal, der schaut aus wia vo an andern Stern. Des chinesische Oktoberfest des hat mi aber gar ned überzeugt, ja pfui Deife, wia kann ma denn a Bier aus da Tütn dringa, des schaut ja aus wia Pi… und de rosan Hasenohren? und warum zoang de Chinesen owei eahnan Bauch her oder ziang se glei aus????????? Na ja, jedem das Seine. Was i a ned seang kann, des is wenn jemand sovui Essn steh lasst. De Garküchn des war scho wieder meins, da dat i mi vo Stand zu Stand durchessn. Hab den Fisch vo eich gseang und scho hab i Hunger kriagt, hmmmmmm. Gfreit mi aber, dass de Chinesen so nett zu eich san und man sieht das eich guad geht. Danke für den schönen Bericht und Bilder, schau immer wieder gerne. Bis boid und dicks Bussal Waltraud

  2. Haha, wie der Monte lächelt (auf dem Foto nachdem er aus der Tüte trinkt) nach dem Motto:

    „Mein Gott steisst di du saubläd o. aber mach weida, des gfoid ma! :)“

    Köstlich:D

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