War bislang Venezuela-Kolumbien die Nummer eins auf der Liste unserer „denkwürdigsten“ Grenzübergänge, ist es nun wahrscheinlich die Grenze zwischen der Mongolei und China, die uns am deutlichsten in Erinnerung bleiben wird.

Da die Teilstrecke der Transsibirischen (nun ja eigentlich Transmongolischen) Eisenbahn, die wir eigentlich nehmen wollten, bereits für den ganzen Monat ausgebucht war, nahmen wir zunächst einen mongolischen Zug, der uns bis an die Grenze nach Zamyn Üüd brachte.

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Hier verbrachten wir im Viererabteil, trotz schnarchender Mitbewohner, eine ganz erholsame Nacht.

DCIM102GOPROWie schon in Russland, darf auch die mongolisch-chinesische Grenze nicht zu Fuß überquert werden, sondern nur mit dem Auto. Da nur die allerwenigsten Leute mit dem eigenen Fahrzeug aus-/einreisen, hat sich daraus ein richtiges Geschäftsmodell entwickelt: Hunderte von Schrott-Jeeps warten darauf, mit einem die Grenze zu überqueren, die Fahrer bekommen jeden Tag neue mongolische und chinesische Stempel in ihren Pass.

Beim Öffnen der Grenze herrschte ein Riesen-Chaos, die Jeeps fuhren wie die Autoscooter (daher wohl auch der Schrottzustand), um noch einen Ticken früher an der Grenze zu sein, es wurde geschrien, es wurde gehupt, es wurde gedrängelt. IMG_4082 (Large)Wir wollten das Chaos auch mit unserer Go Pro festhalten – plötzlich stehen drei schreiende Mongolen an unserem Fenster und versuchen, uns die Kamera aus der Hand zu reissen. Wir schreien zurück, lassen nicht los, denken, wir werden gerade ausgeraubt. Bis wir sehen, dass die drei im Auftrag eines uniformierten Grenzbeamten handeln, der nun selbst zu uns eilt. Fotografieren ist hier streng verboten (ist ja immerhin alles illegal was hier so läuft…) – sofort nimmt er die Speicherkarte aus der Kamera und haut wütend ab. Unser Auto manövriert er in eine abgesperrte Zone zwischen den Grenzen, wir sollen warten. Eine halbe Stunde verstreicht, wir werden immer nervöser. Uns spuken schon die wildesten Szenarien durch den Kopf. Dann legt sich auch noch unser Fahrer mit der Grenzpolizei an, er schreit den Beamten an und versucht unerlaubt einfach die Absperrung zu durchfahren. „Das ist nicht sehr hilfreich“, denken wir nur. Nach einer gefühlten Ewigkeit werden wir dann in ein Gebäude gebeten – wir bekommen die (von unerwünschten Bildern befreite) SD-Karte zurück und dürfen fahren – puuuuuuuh.

Angekommen in der chinesischen Grenzstadt Erlian haut uns erst mal die Hitze um, und wir fühlen uns ein bisschen verloren zwischen den Trillionen chinesischen Schriftzeichen. Als erstes wechseln wir unsere übrigen mongolischen Tögrög in chinesische Yuan – die Geldwechslerin pustet währenddessen die ganze Zeit Christos Armbehaarung an, und kommt aus dem Kichern gar nicht mehr raus. Nach vier Stunden Wartezeit, die wir uns mit der ersten chinesischen Nudelsuppe vertreiben, geht es dann noch einmal 12 Stunden mit dem „Sleeper Bus“ in Richtung Peking.

DCIM102GOPRO DCIM102GOPRODrei Uhr nachts, am Stadtrand von Peking, nur eine Viertel Stunde vor dem Ziel, meinte unser Busfahrer dann, er müsste jetzt dringend seine vorgeschriebene Pause machen, blieb auf einem Parkplatz stehen und schlief. Natürlich warteten vor dem Bus einige Taxis, falls denn jemand ins Stadtzentrum möchte – wahrscheinlich alles seine Verwandten.

Endlich in Peking! Nach einigen Stunden Schlaf zogen wir am nächsten Tag los, um die Stadt zu erkunden. 20 Millionen Einwohner, 34 Grad Hitze, eine Smogglocke über der Stadt – wir japsen nach Luft.

Die bekannteste Sehenswürdigkeit ist natürlich der Tian’anmen-Square (Platz des Himmlischen Friedens) und die Verbotene Stadt – erst am zweiten Tag fühlen wir uns fit genug für die Besichtigung. „Gehen wir lieber mal früh hin“, denken wir uns, „dann ist bestimmt noch nicht so viel los.“ Ach wie naiv…

IMG_4191 (Large) IMG_4188 (Large)Mit seinen fast 40 Hektar wird er als der größte befestigte Platz der Welt bezeichnet, der bis zu 1 Million Menschen fassen kann. Hier hat Mao Zedong die Volksrepublik China ausgerufen – sein riesiges Konterfei hängt heute am Eingang zur Verbotenen Stadt. Zudem stehen täglich tausende Chinesen Schlange, um dem mumifizierten Leichnam Maos ihre Ehre zu erweisen (aber nur mit ordentlichen Schuhen!).

IMG_4290 (Large) IMG_4293 (Large)In der Verbotenen Stadt lebten und regierten bis 1911 die chinesischen Kaiser der Ming und Qing Dynastien. Noch nie haben wir bei einer Sehenswürdigkeit SOLCHE Menschenmassen erlebt, wir wurden quasi in einer Lawine aus chinesischen Reisegruppen durch die Tempelanlage gespült, und das trotz der immensen Ausmaße.Die Verbotene Stadt selbst ist definitiv sehenswert und beeindruckend. Ihre Jahrhunderte sieht man der Verbotenen Stadt jedoch nicht an, was wohl an der immensen Restaurationswut der Chinesen liegt – eigentlich eher schade.

IMG_4202 (Large) IMG_4203 (Large) IMG_4214 (Large) IMG_4218 (Large) IMG_4222 (Large) IMG_4226 (Large) IMG_4230 (Large) IMG_4254 (Large)IMG_4255 (Large)IMG_4258 (Large)IMG_4245 (Large)DCIM102GOPROVor allem der Blick von oben ist toll…

IMG_4252 (Large) IMG_4264 (Large)Die Umstellung von der Mongolei auf China ist tatsächlich etwas schwer – China fällt uns als erstes auf als Land der Begrenzungszäune, Richtungspfeile, Polizeipräsenz, Sicherheitskontrollen und Verhaltensregeln. Man kann hier nicht einfach „quer über den Platz des Himmlischen Friedens gehen“ – man muss den Anweisungen der Polizisten folgen, über wenige geöffnete Tore den Platz betreten, sich durchleuchten lassen und an einem anderen, ebenfalls genau festgelegten Tor den Platz wieder verlassen. Was am zentralen Platz der Stadt vielleicht noch nachvollziehbar ist, verfolgt uns jedoch eigentlich in ganz Peking. Kaum eine Straße ohne Zäune, keine U-Bahn ohne Kontrolle.

Was uns an Peking am besten gefällt, sind die Hutongs, die alten kleinen Gassen der Stadt, mit den traditionellen Innenhöfen. Bis in die 1990er Jahre wohnte ca. die Hälfte der Bevölkerung Pekings in solchen Hutongs, sie werden jedoch immer seltener, da sie zunehmend Opfer der Stadtumgestaltung werden. Lieber baut man an ihrer Stelle große Wohnblocks, in denen sich viel mehr Menschen unterbringen lassen. So lange es sie noch gibt, kann man stundenlang durch die kleinen Gassen wandern, das Leben dort beobachten, einen neugierigen Blick in die Innenhöfe werfen und in kleinen Garküchen lecker essen…

IMG_4085 (Large) IMG_4154 (Large) IMG_4155 (Large) IMG_4162 (Large) IMG_4297 (Large) IMG_4318 (Large) IMG_4325 (Large) IMG_4330 (Large) IMG_4340 (Large) IMG_4344 (Large)DCIM102GOPROÜberhaupt: das Essen! Chinesisches Essen genießen wir nach der eher dürftigen Kost in der Mongolei derzeit in vollen Zügen. In Peking findet man eine wilde Mischung aus wirklich leckeren Gerichten und bizarren Snacks, von denen wir die meisten dann doch eher nur aus der Ferne betrachteten…

IMG_4111 (Large) IMG_4122 (Large) IMG_4123 (Large)IMG_4135 (Large) IMG_4168 (Large) IMG_4173 (Large) IMG_4180 (Large)IMG_4276 (Large) IMG_4277 (Large)Steckerlfisch am Night Market

IMG_4280 (Large) IMG_4281 (Large)Ganz leicht gezuckertes Obst

IMG_4286 (Large) IMG_4289 (Large)Frisch gegrillte Seidenraupen… (nur bedingt lecker)

IMG_4492 (Large) IMG_4494 (Large)Wir wollten Peking nicht verlassen, ohne einmal Peking Ente gegessen zu haben – und wir haben es nicht bereut.

IMG_4376 (Large) IMG_4395 (Large)IMG_4385 (Large) IMG_4392 (Large)Begleitend zum Festmahl gab es vier leckere Bierchen, finanziert durch eine Bierspende!!! Und für die fünf Euro war sogar noch eine zusätzliche Flasche für den Heimweg drin!

IMG_4390 (Large)Dankeschön liebste Claudi!!!

IMG_4091 (Large) IMG_4095 (Large) IMG_4124 (Large)Wer von uns wird in China wohl öfter um ein Foto gebeten? Im Moment ist die Competition ziemlich ausgeglichen :)

Auch der mongolische Nomadenbart kommt endlich ab:

IMG_4271 (Large) IMG_4272 (Large)IMG_4472 (Large) IMG_4476 (Large) Olympiapark mit dem „Vogelnest“ und dem Schwimmsportzentrum

IMG_4490 (Large)Bye Bye Peking – wir ziehen nach einer knappen Woche weiter.

 


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