Wir sitzen immer noch in Kathmandu fest – die extra aus Indien eingeflogenen Experten der Air Force haben es tatsächlich fertig gebracht, den liegengebliebenen Flieger noch tiefer in den Dreck zu ziehen (kein Kommentar), nun müssen die Türken ran. Das türkische Ingenieursteam schafft es dann endlich und nach vier Tagen ist die einzige Start- und Landebahn Nepals wieder einsatzbereit. Insgesamt waren 1000 Leute an der Aktion beteiligt, 50.000 Reisende aus und nach Nepal waren betroffen, die Schäden gehen in die Millionen. Wir sind einfach nur froh, dass wir endlich los nach Indien können und starten los in Richtung Flughafen.

Der ist an normalen Tagen bereits eine absolute Katastrophe, jetzt – im 24 Stunden Dauerbetrieb, bis alle Gestrandeten wieder raus sind – platzt das Flughafengebäude aus allen Nähten und der Check-in wird zur Nervenprobe. In den engen Gängen stehen sich verfeindete Linien von Koffertrollies stur gegenüber und schieben sich schimpfend gegenseitig einige Zentimeter vor und zurück, verstopfen dabei den kompletten Gang und niemand kommt mehr durch. Da kann man nur den Kopf schütteln und warten, bis sich die Verstopfung irgendwann doch löst.

An dieser Stelle auch noch das längst überfällige Dankeschön für eine Spende! Ganze 50€ haben wir bekommen und sie in unsere Reise nach Indien gesteckt. Aus Budgetgründen waren wir ernsthaft am überlegen, die Strecke von Kathmandu nach Delhi mit dem Bus zurück zu legen und haben die Spende für ein Upgrade auf den Flieger genutzt! Auch wenn der Flug diesmal nicht ganz reibungslos vonstatten ging – er hat uns 40 Stunden in klapprigen Bussitzen, kurvige Bergstraßen und korrupte Grenzbeamte erspart!

Danke Papa!!

DCIM100GOPROG0395715.

Es herrscht absolutes Chaos und wir sind mehr als froh, dass wir mit gerade mal „nur“ zwei Stunden Verspätung Richtung Delhi abheben. Bereits 2012 bei unserer Reise durch Nordindien hatten wir Delhi besucht – zurück im Viertel Paharganj können wir kaum glauben, wie anders unser Eindruck diesmal ist. Hat uns Delhi damals völlig überfordert und genervt, laufen wir heute eher wie selbstverständlich durch die Stadt. Entspannend ist ein Spaziergang durch Delhi immer noch nicht, doch irgendwie haben wir uns wohl mittlerweile sehr an Lautstärke, Verkehr und Schmutz in asiatischen Großstädten gewöhnt. Vermutlich wird uns nach unserer Heimkehr erstmal München überfordern 😉

DCIM105GOPROG0410036.Altbekanntes Chaos in Paharganj

Und da war ja noch was! Südindien werden wir nicht alleine, sondern zu viert mit unseren Freunden Michi und Linda bereisen, die wir auch noch für einen Abend in Delhi antreffen. Unsere verspätete Ankunft sowie eigene Magen-Darm-Problemchen (welcome to India!) haben auch deren Zeitplan etwas durcheinander geworfen. Während die beiden bereits am nächsten Tag nach Goa fliegen, werden wir mit einem kurzen Zwischenstop in Mumbai drei Tage später mit dem Zug dort eintreffen.

Gesagt, getan – wir brauchen ein Zugticket für die 22 Stunden (autsch) nach Mumbai, von der einen großen indischen Metropole in die andere. An der New Delhi Station haben wir Glück und ergattern noch am Tag der Abfahrt die letzten beiden Sleeper-Tickets der Tourist Quota, einem extra für Touristen reservierten Ticketkontingent. Gerade mal 7€ pro Nase wird uns die lange Zugfahrt kosten.

DCIM105GOPROG0430045. Noch guten Mutes am Bahnhof – hier wussten wir auch noch nicht, dass dies die wohl schlimmste Zugfahrt in unserer nicht gerade kurzen persönlichen Bus- und Zugfahrtgeschichte werden sollte. Die von uns gebuchte Sleeper Class ist die zweitschlechteste in indischen Zügen. Darunter kommen nur noch die Waggons, die man aus dem Fernsehen kennt – wo bereits Dutzende Inder aus den Fenstern quillen und auf dem Dach sitzen, weil der Waggon aus allen Nähten platzt. In der Sleeper Class jedoch hat jeder Passagier seine reservierte Schlafpritsche. Im Gegensatz zu den darüber hinaus verfügbaren besseren Schlafwaggonklassen gibt es hier drei übereinander hängende Schlafpritschen und keine Klimaanlage. Dafür gibt es offene Fenster, und so sieht man immerhin etwas von der vorbeiziehenden Landschaft, während die klimatisierten Klassen meist völlig verkratzte Milchglasfenster haben, die sich nicht öffnen lassen.

DCIM105GOPROG0440048.

Unser Waggon war völlig überbucht, viele Leute von den Wartelisten sind wohl einfach ohne Ticket zugestiegen – zum Teil teilten sich drei Leute eine Liege und es wurde überall auf dem Boden geschlafen. Um vier Uhr morgens erwache ich dann plötzlich mit einem mehr als komischen Gefühl – nachdem ich irgendwie von meiner (ganz oben befindlichen) Liege runtergeklettert bin, wird mit komplett schwarz vor Augen und ich kippe mitten im finsteren Zugwaggon erstmal um. Der Kreislauf ist am Boden, der Magen ist in Aufruhr. Nun hat er mich (mit ein paar Stunden Verspätung auch Christo) also auch schon erwischt, der berühmte Delhi Belly. Entweder das Dosa im Straßenrestaurant oder der Saft am Bahhof wird wohl schuld sein.

Noch zehn Stunden habe ich vor mir, die ich im Wechsel in der (wie man sich vorstellen kann, nicht sehr einladenden) Zugtoilette und im Dämmerzustand auf der Pritsche verbringe, während sich der Zug immer weiter Richtung Süden vorarbeitet und es im Waggon zu allem Übel auch noch immer heisser wird. Die Hitze und Luftfeuchtigkeit, die wir in den letzten drei Monaten so nicht mehr erlebt hatten, gibt mir den Rest, und mein Kreislauf weigert sich nun vollständig, sich zu erholen.

Irgendwann hat die Tortur ein Ende und ich kann mich endlich auf einem Hotelbett in Mumbai unter einem Deckenventilator ausstrecken. Obwohl wir nur 1,5 Tage in Mumbai haben und wir eigentlich sofort mit dem Sightseeing-Programm starten wollten, geht an diesem Tag naturgemäß außer Cola trinken nichts mehr.

Am nächsten Morgen bin ich wieder so weit fit, dass ich mich aus dem Bett und auf die Straßen Mumbais begebe.

DCIM105GOPROG0490079.Mit fast 20 Millionen Einwohnern ist Mumbai die größte Stadt Indiens und gleichzeitig eine der größten Städte der Welt. Trotzdem ist Mumbai irgendwie so gar nicht typisch indisch. In vielen Teilen der Stadt fühlen wir uns eher wie in Europa – ordentliche Straßen, herrschaftliche Gebäude, Geschäftsleute im Anzug, die einen Take Away Coffee von McDonalds schlürfen… ein paar Seitenstraßen weiter jedoch sieht man wieder eine Frau im Sari hinter einer Kuh stehen und deren soeben fallen gelassenen Haufen aufschaufeln und man ist zurück in Indien.

Wir haben einen richtigen Touri-Sightseeing-Tag vor uns, mit einigen Punkten, die es abzuhaken gilt. Also los!

IMG_2531_1 (Large) IMG_2533_1 (Large)Das legendäre Taj Mahal Palace Hotel – für ein Zimmer hier hats leider nicht gereicht

IMG_2537_1 (Large)Das Gateway of India – großräumig abgesperrt und mit Raketen (!) gesichert, ob nur aufgrund einer Veranstaltung der Air Force am Abend oder immer wissen wir nicht so genau

IMG_2542_1 (Large)Ein Spaziergang entlang der Mahatma Gandhi Road, der Prachtstraße Mumbais mit dem High Court der Universität und dem Victoria Terminus

IMG_2547_1 (Large) IMG_2550_1 (Large) IMG_2557_1 (Large) IMG_2559_1 (Large) IMG_2569_1 (Large) IMG_2570_1 (Large) IMG_2577_1 (Large) IMG_2580_1 (Large) IMG_2581_1 (Large)Kricket, Indiens Volkssport

IMG_2539_1 (Large)Nur zwei Straßen hinter der Mahatma Gandhi Road :)

IMG_2572_1 (Large)Ins Kino für enen echten Bollywood-Streifen haben wir es leider nicht mehr geschafft

IMG_2582_1 (Large) IMG_2583_1 (Large)Auf dem Weg zur Haji Ali Moschee, die mitten im Meer liegt und über einen Damm zu erreichen ist

IMG_2584_1 (Large) IMG_2586_1 (Large) IMG_2587_1 (Large) IMG_2593_1 (Large) IMG_2596_1 (Large) IMG_2598_1 (Large) IMG_2600_1 (Large) IMG_2603_1 (Large) IMG_2605_1 (Large) DCIM105GOPROG0520102. DCIM105GOPROG0560116.IMG_2613_1 (Large)DCIM105GOPROG0570121. IMG_2623_1 (Large)Das Mahalaxmi Dhobi Ghat, auch als die „größte Waschmaschine der Welt“ bekannt. Lässt man in Mumbai seine Wäsche machen, landet sie mit Sicherheit hier – in hunderten von Betonbecken waschen 10.000 Männer hier 14 Stunden täglich in Seifenlauge stehend Wäsche. Gebügelt wird von den Frauen, die Bügeleisen mit Kohle betrieben.

IMG_2624_1 (Large)Wir lassen den Tag ausklingen wie es viele Bewohner Mumbais tun – am Stadtstrand Chowpatty Beach, mit einem Teller Bhelpuri und einem Kulfi-Eis als Dessert bei Sonnenuntergang.

IMG_2635_1 (Large) IMG_2642_1 (Large) IMG_2644_1 (Large) IMG_2646_1 (Large) IMG_2656_1 (Large)Es war nur ein kurzer Einblick in Mumbai, doch er hat sich definitiv gelohnt. Doch jetzt geht es weiter an den Strand!


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