Von Litang aus fahren wir weiter ins Yading Nature Reserve. Lange haben wir überlegt, ob wir diesen Nationalpark besuchen sollen, denn er ist sowohl kompliziert zu erreichen als auch teuer. Zusammen mit Dror und Tamara, mit denen wir bereits seit Kangding unterwegs sind, haben wir uns dann doch einen Fahrer organisiert, der uns nach zähen Verhandlungen (der Typ und seine Kumpanen standen plötzlich mitten in der Nacht nochmal in unserem Hostel) bis zum Park bringen sollte. Kurzfristig war dann auch noch ein Chinese mit an Bord (dessen Name mir leider entfallen ist) – für uns ein kleiner Glücksgriff :) Er sprach perfekt Englisch und kümmerte sich die nächsten Tage rührend um uns, organisierte uns Unterkünfte, verhandelte mit den Fahrern und bereitete uns am letzten Tag sogar liebevoll Frühstück zu (mit eigens aufgewärmter Sojamilch, Keksen und Äpfeln). Wir lehnten uns entspannt zurück und fühlten uns, als hätten wir eine Tour mit Guide gebucht! Und obwohl er eigentlich Bauingenieur ist, hat ihm das ganze selber so gut gefallen, dass er jetzt über einen Nebenjob als Touri-Guide nachdenkt.

Auf der Fahrt passierten wir wieder einige hohe Pässe…

IMG_7586 (Large)IMG_7590 (Large)Im Yading Nationalpark selbst erwarten uns schneebedeckte Sechstausender, rauschende Flüsse und Bergseen, das ganze am ersten Tag bei strahlendem Sonnenschein.

IMG_7606 (Large) IMG_7618_2 (Large) IMG_7629 (Large) IMG_7632 (Large) IMG_7640 (Large)Die Natur ist wild und wunderschön, richtiges Abenteuerfeeling kommt leider trotzdem nicht auf. Der Park ist typisch chinesisch durchgeplant und durchdacht: Wanderwege mit Geländer, Elektrowägelchen und Verbotsschilder wohin man blickt (die ganze Infrastruktur ist wahrscheinlich auch schuld am horrenden Eintrittspreis von fast 40€).

IMG_7631 (Large)Wanderweg auf chinesisch

DCIM102GOPROMit Dror und Tamara

IMG_7640 (Large) IMG_7649 (Large) IMG_7655 (Large) IMG_7657 (Large) IMG_7660 (Large)DCIM102GOPRO IMG_7663 (Large) IMG_7676 (Large)Die chinesischen Parkbesucher bringen uns wieder durchweg zum Schmunzeln – outdoormäßig ausgestattet wie für die Besteigung des K2 nehmen sie das mit dem Wandern mal wieder SEHR ernst…

IMG_7665 (Large)Ein Kissen für ein Nickerchen zwischendurch? Oder eine Schwimmhilfe? Nein, ein Sauerstoff-Tank!

DCIM102GOPRO IMG_7672 (Large) IMG_7692 (Large) IMG_7695 (Large) IMG_7697 (Large)Unser Guide :)

Am zweiten Tag, unserem Haupt-Wandertag, dann das: komplette Nebelsuppe, immer wieder Regen… die Berge sahen heute im besten Fall so aus:

IMG_7706 (Large)Und es sollte den ganzen Tag nicht besser werden… keine Berge, keine Seen, nicht viel zu sehen.

IMG_7704 (Large) IMG_7709 (Large) IMG_7712 (Large) IMG_7715 (Large) IMG_7720 (Large)IMG_7722 (Large)Viele bunte Chinesen…

IMG_7727 (Large):)

IMG_7731 (Large) IMG_7738 (Large) IMG_7743 (Large)Seuchenausbruch in Yading? Ach ne, nur Regen.

IMG_7746 (Large) IMG_7750 (Large)Durchnässt und ein bisschen enttäuscht verlassen wir Yading…

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Nach einer Nacht in Daocheng fahren wir mit einem Minivan weiter nach Shangri-La. Mit den Minivan-Fahrern in Westsichuan hatten wir irgendwie jedesmal Pech. Endlose Diskussionen um den Preis, Abmachungen die nicht eingehalten werden etc. Bei der Ankunft in Shangri-La ging das sogar so weit, dass plötzlich die Polizei auf der Matte stand. Die Sache war jedoch schnell erledigt – wir bekamen recht.

Shangri-La war für uns nur ein kurzer Zwischenstopp. Die Stadt wurde vor einigen Jahren von der chinesischen Regierung als Nr.1-Touristendestination in „Tibet“ deklariert und entsprechend „restauriert“. Also ist hier so etwas ähnliches wie „Tibet-Disneyland“ entstanden, künstlich anmutende Tempel, Yak-Burger und Souvenirläden ohne Ende. Von der tollen, authentischen Atmosphäre in Litang oder Kangding ist hier nichts mehr zu spüren. Zudem ist ein Großteil der „Old Town“ von Shangri-La im Januar diesen Jahres einem Großbrand zum Opfer gefallen, und vieles liegt immer noch in Schutt und Asche…

IMG_7791 (Large) IMG_7787 (Large)Neben tibetischem Buttertee gibt es hier auch Latte Macchiato, Pizza und Pancakes an jedem Eck. Aber wir sind ja die Letzten, die abstreiten würden, dass westliches Essen nicht manchmal einfach gut tut und so verbringen wir einen verregneten Tag im Cafe und schlemmen uns durch die Speisekarte…

IMG_7789 (Large) IMG_7795 (Large)Von Shangri-La aus starten wir noch eine letzte Wandertour in China – nämlich durch die Tigersprungschlucht. Der Legende nach soll ein Tiger die Schlucht an ihrer engsten Stelle über einen Felsblock in der Flussmitte mit zwei Sprüngen überwinden können – daher der Name. Misst man den Höhenunterschied vom tiefsten Punkt zum höchsten, ist sie mit rund 3.900 m Höhenunterschied die tiefste Schlucht der Welt. In ihrem Tag fließt der Jangtsekiang und im Osten erheben sich der Jade-Drachen-Schneeberg.

Die Wanderung startet im kleinen Dort Qiaotou.

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Am ersten Tag wandern wir ca. 8 Stunden. Die meiste Zeit ist es leicht bewölkt – die Bergspitzen sind so leider von Wolken bedeckt, dafür knallt uns aber die Sonne wenigstens nicht auf den Schädel.

IMG_7829 (Large) IMG_7837 (Large) IMG_7844 (Large)Die Wege sind steil, hier gibt es keine Elektrowägelchen und keine Seilbahn – folglich gibt es hier auch so gut wie keine Chinesen. Tatsächlich treffen wir den ganzen Tag nur einige westliche Wanderer, schnell kennt man sich und trifft sich an jedem Pausenpunkt wieder. So kennen wir das mit dem Wandern :)

IMG_7860 (Large)IMG_7839 (Large)Verlaufen kann man sich nicht, man muss einfach immer nach den roten Pfeilen Ausschau halten

DCIM102GOPRO IMG_7856 (Large)Waldbrand-Warnungen in kreativem Englisch

IMG_7840 (Large)Der gefürchtetste Teil der Wanderungen sind die sogenannten „28 Bends“ – in 28 (Über-)windungen schlängelt man sich den Berg hoch.

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Am höchsten Punkt der Schlucht wird man mit einer tollen Aussicht belohnt:

IMG_7900 (Large) IMG_7903 (Large) IMG_7907 (Large) IMG_7914 (Large) IMG_7918 (Large) IMG_7931 (Large) IMG_7962 (Large)Von da an gehts es für einige Stunden mehr oder weniger geradeaus bis zu unserem Stop für die Nacht mit dem passenden Namen „Halfway Guesthouse“. Ein wundervoller Ort, an dem wir den Abend mit anderen Reisenden verquatschen – kein Wunder, bei der Aussicht von der Terrasse:

IMG_8010 (Large)Auch die Aussicht von der Toilette kann sich sehen lassen:

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IMG_8016 (Large) IMG_8020 (Large) IMG_8022 (Large)Morgenstimmung im Halfway-Guesthouse am nächsten Tag:

IMG_8035 (Large) IMG_8052 (Large)Am zweiten Tag nehmen wir die deutlich kürzere aber landschaftlich fast noch schönere Etappe der Wanderung in Angriff.

DCIM102GOPRO IMG_8063 (Large) IMG_8089 (Large) IMG_8097 (Large)Noch am gleichen Abend erreichen wir Lijiang, wo wir den Nachtzug nach Kunming besteigen.

Kunming soll unsere letzte Station in China sein, nach 6 Wochen verlassen wir das Reich der Mitte. Unsere letzte Mahlzeit in China stellte uns mal wieder vor ein Problem, das immer mal wieder vorkam: Speisekarte nur auf chinesisch, niemand sprach Englisch und auch fast keine Bildchen auf der Karte.

IMG_8105 (Large)Mit einer Kombination aus Pantomime + Chinesisch-App auf dem Smartphone + Hilfe einer ganzen Schulklasse hats dann doch noch geklappt mit der Bestellung und so ließen wir uns für 1,50€ die letzte leckere Mahlzeit in China schmecken.

IMG_8104 (Large) IMG_8106 (Large)Genau jetzt erreichte uns eine email von Kilian, der auf seiner Webseite einen Crash-Kurs für China-Reisende anbietet, der genau auf solche Probleme abzielt und Abhilfe schaffen soll. Leider hatten wir selber nicht mehr die Möglichkeit, den Video-Chinesischkurs zu testen, aber wer weiß, vielleicht hätte er uns einige Nerven sparen können :)

Falls jemand von euch selbst bald nach China fährt, und gerne schon vorher wissen möchte, wie man am besten vermeidet, aus Versehen Katzenfleisch oder Ochsenzunge zu bestellen, der kann sich das Ganze hier mal ansehen:

http://www.chinesisch-fuer-reisende.de/

Wir verlassen China nun mit gemischten Gefühlen pünktlich vor der sogenannten „Golden Week“. In der ersten Oktoberwoche hat ganz China frei und ist unterwegs. Letztes Jahr sind in dieser Woche angeblich 340 Millionen Chinesen mit dem Zug gereist. Alle Züge und Busse sind daher ausgebucht, die Unterkünfte heben ihre Preise um das 3- bis 4-fache an, die Touristendestinationen quillen förmlich über. Das klingt nach blankem Horror, also schnell raus hier!

Wir haben in China viel erlebt und tolle Dinge gesehen. Vor allem der zweite Teil unserer China-Tour, sprich alles was nach Hong Kong kam, hat uns super gut gefallen. Unsere persönlichen Highlights waren definitiv unser Relaxort Xing Ping und das tibetische Litang, nicht zuletzt aufgrund der Himmelsbestattung, die wir wohl so schnell nicht vergessen werden. Oft jedoch, das muss man einfach mal so sagen, hat uns China auch ordentlich genervt: die vielen Reglementierungen, die Absperrungen, die vorgefertigten Wege, die Reisegruppen und Elektrowägelchen, die rotzenden, spuckenden, schreienden Chinesen, der teure und oft schwer zu organisierende Transport. Reisen in China ist voll und ganz auf einheimische Touristen ausgelegt, und deren Art zu reisen ist zu unserer eben völlig gegensätzlich. Auch wenn 6 Wochen im riesigen China nicht viel sind, für uns reicht es erstmal. Missen möchten wir die Erfahrungen hier keinesfalls, unser neues Lieblings-Reiseland wird China jedoch auch nicht werden.

Nun steigen wir aber erstmal in den Sleeper Bus, und dann heisst es: Sabaidee Laos!


Kommentare

Heilige Gipfel und tiefe Schluchten — 4 Kommentare

  1. Servus Steffi und Christo,

    ja da hüpft mein Herzlein gleich höher bei dem Bild mit euren chinesischen „Essen-Bestellungs-Freunden“. Das war bestimmt eine Gaudi.
    Klar das Extrablatt für die Essensbestellung im Restaurant ist hierfür echt geschickt. Na beim nächsten Chinatrip wird es helfen;)

    Kilian
    ps: Die Erwähnung freut mich sehr.

  2. Tolle Bilder. Insbesondere von der Toilette mit Aussicht. Befindet die sich unter dem Hotel, das auf halben Weg auf dem Tiger Leaping Gorge Trek liegt? Als ich den Weg vor 14 Jahre ging, da gab es diese gekachelten Schutzwände noch nicht, sondern nur das Loch im Boden. Ihr könnt euch vorstellen, dass da die Aussicht noch genialer war.

    • Ja genau, im Halfway Guesthouse :) Warten wir noch ein paar Jahre, dann gibts vielleicht ne Kloschüssel und Lesematerial, dann kann man wenigstens die Aussicht ein bisschen länger geniessen :)

      • Ha! Wusste ich’s doch! Hm.. naja, also Schüssel muss für mich nicht sein. Ich bin eigentlich immer froh, wenns solche Scheisslöcher hat. Da kommt man wenigstens mit nichts Ekligem in Kontakt. Und wie die Chinesen mit den Füssen auf dem Rand der Schüssel zu balancieren, das finde ich doch etwas unpraktisch. Da ziehe ich das Loch im Boden vor… :)

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