Etwas melancholisch sind wir ja schon, als wir in Halong zum letzten Mal unser Moped aufzäumen und unsere letzte Etappe in Angriff nehmen. Die letzten 150km sollten nochmal interessant werden – nicht nur ärgerte uns der Regen, plötzlich streikt das Motorrad. Es ist mal wieder das Gaskabel – damit hatten wir ja bereits in Hue Probleme. Diesmal ist es komplett gerissen – doch Gott sei Dank ist die nächste Kleinstadt nicht weit weg. Wir schieben das Motorrad durch den Regen den Seitenstreifen entlang bis zur einzigen Werkstatt weit und breit. Der Mechaniker schüttelt erstmal den Kopf, das kann er nicht reparieren. Deshalb bindet er uns kurzerhand das Kabel mit einem Gummi um den Gashebel – mit dieser Notlösung kommen wir tatsächlich noch 50 Kilometer weit.

IMG_0040_1 (Large)Die letzte Nudelsuppenpause – kein anderes Wort gibt es in Vietnam so oft zu lesen wie „Pho Bo“

20 Kilometer vor Hanoi dann auch noch das – die Verkehrspolizei winkt uns raus. Das war uns bislang auch noch nicht passiert, hatten jedoch viele Stories von Polizisten gehört, die sich dann irgendwelche Pseudo-Vergehen aus den Fingern saugen, um von eingeschüchterten Touris abzukassieren. In die eigene Tasche versteht sich.

Gott sei Dank sind wir genau auf diesen Fall vorbereitet und wissen wie wir uns gekonnt aus der Affäre ziehen 😉 Wichtig ist Folgendes:

1) Stehenbleiben und Schlüssel abziehen! (sonst zieht ihn der Polizist ab und rückt ihn ohne Bezahlung nicht mehr raus)

2) Die Kommunikation so schwer wie möglich machen. So haben wir einfach freundlich gelächelt und dem Mann in unserem tiefsten bayrisch Stories über unser Motorrad und unsere Tour durch Vietnam erzählt.

Der gute Mann versuchte verzweifelt, seine Fassung und Autorität zu bewahren. Beides ist ihm nicht gelungen :) Da er ebenfalls kein Wort englisch sprach, hätten wir auch beim besten Willen nicht erraten können, was er überhaupt von uns wollte. Nach fünf Minuten vietnamesich-bayrischem Geplänkel wurde es ihm zu blöd und er winkte uns weiter. Den Lachkrampf konnten wir gerade noch zurückhalten, bis wir außer Hörweite waren :)

Und dann haben wir es geschafft – ein Triumphbild vorm Ortsschild von Hanoi ist einfach Pflicht!

IMG_0062_1 (Large) IMG_0057_1 (Large)Nach einer Nacht auf einem Parkplatz in Hanoi springt das Moped dann plötzlich gar nicht mehr an – die Batterie ist komplett im Eimer. Wir danken allen Engeln und Heiligen, dass das nicht früher passiert ist, lassen die Maschine fremdstarten und bringen so die letzten 3 Kilometer bis zum Bahnhof hinter uns, von wo aus wir die liebgewonnene Schrottkiste zurück nach Saigon schicken!

Sechs ganze Tage ohne große Pläne liegen in Hanoi vor uns. Wir geniessen die ruhige Zeit um uns von der nicht immer entspannten Motorrad-Tour zu erholen und Kraft zu tanken für unser nächstes Reiseziel, das sicher noch deutlich anstrengender werden wird…

Das ungewöhnlich kalte Wetter in Hanoi macht uns das Relaxen in Bett, Cafe und Restaurant noch leichter. Wir sind mitten im Old Quarter von Hanoi untergebracht, einem quirligen und sehr belebten Viertel. Hanoi gefällt uns auf Anhieb deutlich besser als Saigon, irgendwie ist die Atmosphäre hier ursprünglicher… irgendwie „vietnamesischer“.

IMG_0093_1 (Large) IMG_0094_1 (Large) IMG_0097_1 (Large) IMG_0101_1 (Large) IMG_0102_1 (Large) IMG_0103_1 (Large) IMG_0106_1 (Large) IMG_0121_1 (Large) IMG_0123_1 (Large) IMG_0135_1 (Large) IMG_0138_1 (Large) IMG_0156_1 (Large) IMG_0159_1 (Large) IMG_0174_1 (Large) IMG_0180_1 (Large) IMG_0183_1 (Large) IMG_0187_1 (Large) IMG_0190_1 (Large) IMG_0090_1 (Large) IMG_0149_1 (Large) IMG_0153_1 (Large) IMG_0157_1 (Large) IMG_0163_1 (Large) IMG_0176_1 (Large)Doch nicht alles ist authentisch vietnamesisch hier, wie wir bei einem Blick in die Supermarktregale erfreut feststellen. Das sind doch – ja, deutsche Produkte! Nach über sieben Monaten, die wir nun schon unterwegs sind, läuft uns da glatt das Wasser im Mund zusammen. Und wir haben da ja auch noch eine wunderbare 20€-Spende zu verbraten! Mit Hochgenuss hauen wir die für heimische Süßigkeiten und ähnliches auf den Kopf und verkriechen uns mit Gummibärchen und Ritter Sport gleich wieder ins Bett :) Ach und übrigens: in Hanoi gibts auch wirklich leckeren Döner Kebab! Auch der steht bei uns das ein oder andere Mal auf dem Speiseplan…

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Vielen vielen Dank, Christian Dotzauer alias Dotzi!!!

Insgesamt 37 wunderbare Tage verbrachten wir in Vietnam.

Zugegebenermaßen haben wir uns im Vorfeld relativ wenig über Vietnam informiert und der krasse Unterschied zu anderen südostasiatischen Ländern wie Laos oder Kambodscha hat uns schon überrascht. Allen voran das Wetter – dass in Nordvietnam Fleecepulli und Wollsocken herhalten müssen, war uns tatsächlich vorher nicht klar gewesen 😉 Darüber hinaus ist uns vor allem das fast vollständige Fehlen von Religion im Alltag aufgefallen. Während in Laos oder Kambodscha kein Tag ohne den Anblick von Tempeln, Pagoden und betenden Mönchen vergeht, muss man im kommunistisch geprägten Vietnam lange danach suchen.

Oftmals haben wir bereits im Vorfeld über die aggressiven Verkaufs- und Betrugstaktiken der Vietnamesen gehört und diesen Eindruck können leider wir auch bestätigen. Schon lange mussten wir nicht mehr so häufig und vehement „No, thank you“ sagen oder uns gegen versuchte Abzocke zur Wehr setzen. Auch die krasse Tourismus-Maschinerie an den großen Sehenswürdigkeiten des Landes, allen voran in der Halong-Bucht und in Hoi An, hat uns eher gestört.

Insgesamt ist Vietnam definitiv eines der ganz großen Highlights unserer Reise, und das liegt vor allem an der Art und Weise, wie wir das Land bereist haben. Das Gefühl der absoluten Freiheit und Unabhängigkeit, mit dem eigenen Motorrad unterwegs zu sein, war für uns unbezahlbar. Für uns war es die erste Motorrad-Reise überhaupt, und sie hat uns eindrucksvoll vor Augen geführt, um wieviel intensiver man ein Land auf diese Weise erleben kann. Die meiste Zeit verbrachten wir abseits der ausgetreten Pfade und an den meisten Tagen trafen wir überhaupt keine oder nur vereinzelt andere Reisende. Auch hier sind es wieder einmal die kleinen Ereignisse und Begegnungen, die uns besonders in Erinnerung bleiben werden –  in einer schäbigen Suppenküche am staubigen Straßenrand eines kleinen Ortes, den man in keinem Reiseführer findet. Danke, Vietnam!

Für alle Interessierten hier nochmal unsere Route und ein paar Fakten:

Route

Kilometer gesamt: 2670 km

Kosten Motorrad inkl. Helme: 150€

Kosten Rückversand nach Saigon per Zug: 30€

Benzinkosten: 68€

Werkstattkosten: 50€*

Motorrad Gesamtkosten: 298€

*darin enthalten: 8 mal Ölwechsel, 2 mal neue Fußraster, 1 mal Blinker reparieren, 5 Spanngurte, 2 mal Gepäckhalter schweißen, 3 mal Ständer schweißen, 1 mal Kippschutz schweißen, 1 mal Reparatur Gaskabel, 1 mal Bau und Montage zwei neuer Gepäckhalter, 1 mal Reparatur Scheinwerfer vorne und hinten, 1 mal Batterie fremdstarten


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