In Moalboal auf Cebu Island haben wir einen typischen philippinischen (Männer-) Sonntag verbracht. Badespaß, gutes Essen und eine Sportveranstaltung gehören definitv dazu – das deutsche Pendant wäre vermutlich Badesee + Biergarten + Fußballstadion.

Wir mieten uns einen Roller und statten den Kawasan Wasserfällen einen kurzen und erfrischenden Besuch ab.

DCIM102GOPROG1262879.DCIM102GOPROG1212804.Vom Hunger wieder auf die Straße getrieben halten wir mal wieder an einem der zahlreichen Lechon Manok Stände für ein knuspriges Grillhendl.

DCIM102GOPROG1272902. DCIM102GOPROG1312930. DCIM102GOPROG1332951.Gleich nebenan im Dorfzentrum stoßen wir auf eine Menschentraube, die sich den Sonntag beim Glücksspiel vertreibt – das ist dann wohl Roulette auf philippinisch.

DCIM102GOPROG1292908.Doch kein Wochenende auf den Philippinen ist komplett ohne einen anständigen Cockfight, einen Hahnenkampf.

Cockfighting ist auf den Philippinen neben Basketball absoluter Volkssport und wird als Teil der Kultur angesehen. Hahnenkämpfe gibt es in vielen Ländern Asiens und Südamerikas, doch auf den Philippinen sind sie noch legal und immens populär – Kämpfe werden im Fernsehen übertragen, es gibt zahlreiche Zeitschriften nur zu diesem Thema, im ganzen Land gibt es mehr als 10.000 Arenen, sogenannte „Cockpits“. Bei den größten Derbys gibt es Preisgelder, die einem Lottogewinn gleichkommen.

Mit Cockfights lässt sich viel Geld verdienen, daher versuchen sich immens viele Filipinos in der Aufzucht der Kampfhähne, importieren Eier spezieller Kampfrassen aus den USA, investieren in spezielles Kraftfutter, in Medikamente und in die Aufzucht der Tiere. Das hat übrigens den unangenehmen Nebeneffekt, dass man wohl in keinem Land der Welt täglich vom Gekrähe so vieler Hähne geweckt wird.

IMG_9418_1 (Large)Die Arena

IMG_9292_1 (Large)Vor dem Beginn der Kämpfe werden die Hähne präsentiert, die Besitzer streicheln ihnen stolz übers Gefieder und glätten ihnen die prachtvollen Schwanzfedern. Die Kontrahenten werden von den Zuschauern bereits genau unter die Lupe genommen, man möchte ja schließlich auf das richtige Tier wetten.

IMG_9298_1 (Large) IMG_9302_1 (Large) IMG_9306_1 (Large)Die Kämpfe selbst sind allesamt kurz, brutal und blutig. Das aggressive Territorialverhalten der Tiere wird direkt vor dem Kampf angeheizt, indem man sie Auge in Auge gegenüberhält und jeder Hahn den anderen, der solange festgehalten wird, ein paar Mal ordentlich pickt. Der Kampf kann nur durch den Tod eines Hahnes beendet werden – deshalb schickt man die Tiere auch nicht einfach so in den Ring, sondern bewaffnet. Jeder Kontrahent bekommt eine circa 5cm lange rasiermesserscharfe Sichel ans Bein gebunden.

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Dann wird es laut in der Arena – die Zuschauer brüllen durcheinander, schreien ihren Wettfavoriten hinaus, zusammengeknüllte Geldscheine werden als Wetteinsatz einfach durch die Gegend geworfen.

IMG_9320_1 (Large) IMG_9323_1 (Large) IMG_9377_1 (Large)Die beiden Hähne werden auf den Boden gesetzt, und dann geht meist alles ganz schnell. Mit aufgestellter Halskrause und unglaublicher Aggressivität stürzen sich die beiden aufeinander, außer einem fliegenden und springenden Federknäuel ist nicht viel zu erkennen, zu schnell sind die Angriffe.

IMG_9352_1 (Large) IMG_9357_1 (Large) IMG_9389_1 (Large) IMG_9392_1 (Large)

Nach meistens nicht mal einer Minute ist der Kampf entschieden – der Verlierer wird vom Ringrichter noch dreimal hochgehoben und wieder fallengelassen, ob er sich auch wirklich nicht mehr bewegt.

IMG_9370_1 (Large) IMG_9405_1 (Large) IMG_9408_1 (Large)Der Verlierer geht als „Trophäe“ an den Besitzer des Gewinners und landet im heimischen Kochtopf (evtl. auch im Hendlgrillstand?). Allerdings sah auch der Sieger in vielen Fällen so aus, als würde er die nächste Stunde nicht mehr erleben.

Uns hat vor allem erstaunt, wie ernst diese „Sportart“ in den Philippinen genommen wird und wieviel Geld und Aufwand hierfür aufgewendet wird. Ob man ein derart blutiges Spektakel – ähnlich vielleicht wie den Stierkampf in Spanien und Südamerika – als Kulturgut bezeichnen kann oder möchte, sei sicherlich dahingestellt.


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