Die nächste Teilstrecke unserer Motorradreise durch Vietnam führt uns durch die südwestlichen Highlands des Landes – ein relativ unberührter Teil des Landes, in den sich mit Ausnahme von Dalat nur wenige Touristen verirren, weshalb er uns umso mehr reizt. Für weite Strecken sind wir hier auf dem alten Ho-Chi-Minh-Pfad unterwegs, der im Vietnamkrieg als logistisches Wegenetzwerk fungierte und teils auch durch Laos und Kambodscha führte.

Etappe 3: Mui Ne bis Dalat (160km)

Nach einem Tag in Mui Ne verabschieden wir uns also von der Küste und nehmen den Weg in die Berge in Angriff, unser Ziel heisst Dalat.

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An einem Tag wollen wir von Meereshöhe auf 1600 Meter hinauf. Unser mit zwei Personen und Gepäck hoffnungslos überladenes Motorrad kommt in den steilen Serpentinen zeitweise an seine Grenzen und wir müssen dem Motor einige Verschnaufpausen gönnen.

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Eisverkäufer in einem kleinen Dorf bei Schulschluss

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Dagegen, was die Vietnamesen teilweise so auf ihre Motorräder packen, sind unsere zwei Rucksäcke doch glatt wieder Kinderfasching :)

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Mitten im Nirgendwo verabschiedet sich plötzlich einer unserer Gepäckträger und der linke Rucksack schleift fast am Boden dahin. Wir bleiben stehen und schauen uns etwas ratlos die Bescherung an. Nur eine Minute später bleibt ein älterer Herr neben uns stehen, wirft einen kurzen Blick auf den Gepäckträger, nickt und verschwindet im Gebüsch neben der Straße. Kurz darauf kommt er mit ein paar Plastikbändern wieder (wo auch immer er die hergezaubert hat) und bastelt uns ein Provisorium. Er hält den Daumen hoch, winkt, und braust davon. Wow! So schaffen wir es ohne Probleme in die nächste Stadt, wo wir uns erstmal drei zusätzliche Spanngurte kaufen (für 20 Cent pro Gurt). Und damit schaffen wir es auch erstmal locker bis Dalat.

Dalat ist ein süsses kleines Bergstädtchen, der Temperaturunterschied zur Küste ist jedoch nicht ohne. Aus den Tiefen unseres Rucksacks werden die fast vergessenen Pullis wieder herausgeholt, denn sobald abends die Sonne untergeht wird es empfindlich kalt.

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Das Tolle am Klima: hier wachsen Erdbeeren!

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Kleiner, aber feiner Traveller-Luxus

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Bodylotion-Kauf in Asien ist für Westler echt schwierig. In Asien ist es genau umgekehrt wie bei uns: helle Haut gilt als Schönheitsideal, Bräune möchte man möglichst loswerden. Deshalb werden hier zu 95% nur Cremes mit Whitening-Wirkstoffen verkauft. Aber wer will schon die mühsam verdiente Philippinen-Bräune verfrüht wieder loswerden? 😉

Einer unserer ersten Wege führt uns mal wieder in die Werkstatt, für den Gepäckträger muss eine längerfristige Lösung her. Fix wird eine dicke Verstärkung drangeschweisst.

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Während die Dame den Fortschritt in der Werkstatt überwacht, geht der Herr mal eben schnell zum Friseur – da stimmt doch auch was nicht :)

In Dalat treffen wir Sayid und Soroush aus den USA und verbringen einen lustigen Tag und Abend in der Stadt. Zunächst statten wir dem sogenannten „Crazy House“ einen kurzen Besuch ab. Das ist genau, wo nach es klingt, ein Gebäude, das ein Architekt wahrscheinlich im totalen Drogenwahn geplant hat :) Auch ziemlich coole und kreative Hotelzimmer gibt es hier.

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Abends probieren wir uns noch quer durchs Streetfood-Angebot Dalats. Nach Suppe und Pancakes stehen wir gerade an einem der kleinen, mobilen Barbecue-Stände und haben verschiedene Spieße ausgewählt, als plötzlich Hektik auf dem Platz aufkommt. Innerhalb von Sekunden sind die Plastiktische und -stühle übereinander gestapelt und weggetragen und bis wir uns wieder umdrehen ist auch der Grill weg. Bevor wir überhaupt nur kapieren, was hier passiert, stehen wir ganz alleine auf dem Platz. „Wo zum Teufel ist unser Essen hin?“ Zwei Minuten später löst sich das Rätsel, denn ein Polizeiauto rollt vorbei, offensichtlich darf auf diesem Platz kein Essen verkauft werden. Nur 50 Meter weiter finden wir unsere Grillspiesschen aber schnell wieder :)

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Nach nur einem Pausentag brechen wir wieder aus Dalat auf, es liegen einige weitere Bergetappen durch die Highlands vor uns!

Etappe 4: Dalat bis Buon Ma Thuot (220km)

Was für ein Tag!

Der Wecker klingelt um 6 Uhr, schließlich liegt ein langer Weg durch die Berge vor uns. Wir snoozen ein paar Mal zu oft und kommen doch erst um 7.30 los. Das Wetter ist frisch, aber herrlich, die Straße erst mal gut.

Und die Landschaft! Wir fahren mitten durch Vietnams Kaffeeanbaugebiet, Plantage reiht sich an Plantage, ein Tal ist grüner und schöner als das andere. Je mehr die Sonne herauskommt, desto wärmer wird es. Vor den Häusern trocknen die Kaffeebohnen in der Sonne und zu den allgegenwärtigen Suppenküchen kommen hier mindestens noch einmal genauso viele Cafes. Die Straße windet sich eng an den grünen Tälern entlang und bietet regelmäßig herrliche Aussichten für Fotostops.

So lässt sich die Fahrt genießen und der starke, schwarze Kaffee lädt die Batterien wieder auf.

DCIM100GOPROG0172641. DCIM100GOPROG0212700. IMG_0108_1 (Large) IMG_0112_1 (Large) IMG_0119_1 (Large) IMG_0131_1 (Large) IMG_0135_1 (Large) IMG_0138_1 (Large) IMG_0141_1 (Large) IMG_0146_1 (Large) IMG_0153_1 (Large)Nachmittags erreichen wir einen See und überlegen, dort bereits zu bleiben. Die Alternative wäre, noch 50km weiterzufahren. Wir haben noch drei Stunden bis zum Einbruch der Dunkelheit, die Straßen sind (verhältnismäßig) gut – „Komm, die 50km reißen wir noch runter.“, entscheiden wir.

Leider stellte sich heraus, dass sich nur wenige Kilometer später die Straßen in Schotterpiste verwandeln und dann die Schotterpiste in Sandwege. Die Sonne sinkt immer tiefer und wir fahren durch blühende Reisfelder – schön ist es auf jeden Fall, aber das mit dem „schnell runterreissen“, das wird wohl nix.

IMG_0168_1 (Large) IMG_0175_1 (Large) IMG_0181_1 (Large)Immer öfter kontrollieren wir auf dem Handy, ob wir wirklich auf dem richtigen Weg sind. Buon Ma Thuot ist eine Stadt mit 340.000 Einwohnern, da kann doch keine Sandpiste hinführen? Doch Google Maps ist sich sicher, der Weg passt. Auch jedes Mal, wenn wir nach dem Weg fragen, ernten wir eifriges Nicken als Antwort. Na dann.

Plötzlich stehen wir dann tatsächlich nur noch vor einem Sandhügel. Was nun?

IMG_0186_1 (Large)Ein paar Männer sitzen am Straßenrand. „Buon Ma Thuot?“, fragen wir wieder. „Yes, yes“, lachen sie und zeigen den Dreckberg hoch. Wir bleiben unschlüssig stehen und schauen uns ratlos um. „It’s okay, go on.“, sagen sie und zeigen wieder in die Richtung. Na gut, dann halt mal los. Zu zweit schieben wir das Moped über den Hügel. Auf der anderen Seite ein einsamer Bauer, der mit seinem Traktor durchs Reisfeld tuckert und uns freundlich zuwinkt.

IMG_0200_1 (Large)Der einzige Weg, der hier noch weiterführt, ist ein grasbewachsener Damm zwischen gefluteten Reisfeldern. Das kann nun wirklich nicht der richtige Weg sein, wir drehen um. Zurück bei den netten Herren stellt sich heraus, dass sie nicht auf den Berg HOCH gezeigt haben, sondern auf einen noch viel kleineren Sandweg, der kurz vor dem Berg nach rechts die Böschung hinunter auf einen Fluss zuführt. Dort zieht ein einsamer Vietnamese den ganzen Tag ein kleines Holzfloss von Ufer zu Ufer, um Mopeds überzusetzen. Na da muss man erst mal drauf kommen!

IMG_0206_1 (Large) IMG_0209_1 (Large) IMG_0210_1 (Large)Nun ist uns endgültig klar, dass wir es nicht mehr im Tageslicht bis Buon Ma Thuot schaffen werden. Bevor es dunkel wird, erhaschen wir noch einen letzten spektakulären Blick auf glühendrote Reisfelder im Sonnenuntergang.

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So richtig genießen können wir das allerdings zu dem Zeitpunkt schon nicht mehr. Der Hintern und Rücken schmerzen, die Beine sind fast taub, die Augen brennen vom Staub und Hunger haben wir auch. Aber es hilft nix, auf dem ganzen verbliebenen Weg bis in die Stadt ist auch keine Unterkunft oder ähnliches aufzutreiben. Im Dunklen zu fahren ist wahrlich kein Spaß, irgendwann kommen wir dann aber doch noch fix und alle an und checken ins allererste Hotel am Stadtrand ein, wo wir für nur 6€ ein großes Zimmer mit warmer Dusche bekommen. Nach der Frage, wo wir unser Moped nachts parken können, verweist man uns direkt auf die Rezeption – na gut.

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Nun nur noch schnell was essen: direkt nebenan ist ein Banh Xeo Stand: in kleinen gusseisernen Pfannen werden die knusprigen Pfannkuchen, gefüllt mit Shrimps und Sprossen, gebraten, mit viel frischem, knackigem Salat serviert und in Reispapier gewickelt. Das ganze war super lecker – nur unser Magen sah das etwas anders. So haben wir die nächsten zwei Tage, anstatt weiter durch die Highlands zu fahren, in unmittelbarer Nähe der Kloschüssel verbracht. Tja, shit happens.

Etappe 5: Buon Ma Thuot bis Pleiku (180km)

Nach zwei Tagen Zwangspause kann es dann endlich weiter gehen. Ach ja, einen Werkstattbesuch brauchen wir natürlich mal wieder. Diesmal hat sich unser Ständer verabschiedet und auch der Umfallschutz wackelt wild durch die Gegend. Da wird eine gute halbe Stunde zu viert wie wild herumgeschweisst, dann sitzt alles wieder (vorerst) bombenfest. Werkstattrechnung: 1,20€

IMG_0221_1 (Large)Eine weniger schöne Etappe führt uns 180km bis Pleiku. Landschaftlich wenig reizvoll sehen wir heute vor allem Baustellenfahrzeuge und schlucken viel Staub. Im Zwei-Kilometer Abstand wechseln sich nagelneu asphaltierte Traumstraßen mit Baustellen und Schotterpisten ab. Straßen werden hier offensichtlich nach dem Flickenteppich-Prinzip restauriert. Einzige Abwechslung bieten einige Kautschuk-Plantagen sowie erholsame Hängematten- und Obst-Pausen.

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Etappe 6: Pleiku bis Kham Duc (220 km)

Doch gleich der nächste Tag entschädigt für alles. Gleich morgens gibt es erstmal nen Ölwechsel in einer Einrichtung, die zur Abwechslung auch in Deutschland als Werkstatt durchgehen könnte.

IMG_0258_1 (Large)Schon bald kommen die Berge in Sicht, die wir heute durchqueren werden – wow!

IMG_0270_1 (Large) DCIM100GOPROG0032822.Bei unserer Frühstückspause in Kon Tum beobachten wir die Straßen und wundern uns mal wieder über die verrückten Mopeds Vietnams – heute sind fahrende Blumen- und Zooläden dran.

IMG_0266_1 (Large) IMG_0272_1 (Large)Generell ist heute irgendwie der Tag der Scherzkekse – bei einer späteren Obst- und Colapause haben wir schnell eine ganze Gruppe um uns versammelt, alle reden durcheinander, hämmern wild auf unser Handy ein, knipsen mit unserer Kamera Fotos voneinander und lachen sich schief. Und obwohl sich unser vietnamesisch auf „Danke“, „Nudelsuppe“ und „Öl wechseln“ beschränkt, kommt doch sowas ähnliches wie eine Konversation zustande. Und ehe man sichs versieht ist man im vietnamesischen Facebook zu sehen und hat sich das Lederarmband abschwatzen lassen 😀

IMG_0287_1 (Large) IMG_0288_1 (Large) IMG_0293_1 (Large)IMG_0294_1 (Large)Weiter geht der Spaß in der nächsten Werkstatt. Schon wieder Werkstatt? Ja, unser Gepäckträger hat sich mal wieder verselbstständigt. Die Wunderwaffe Schweißgerät wirds schon richten. Wir sind einfach nur froh, dass wir bislang nur kleine Probleme hatten uns uns sowohl Reparaturen an Motor und Reifen erspart geblieben sind.

Hier wird uns erstmal folgendes Prachtmotorrad zum Tausch gegen unseres angeboten:

IMG_0303_1 (Large)Der Ständer ist wahrscheinlich sogar stabiler als unserer :)

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Wir fahren weiter durch traumhafte Landschaften und das ganze auf traumhaften Straßen. Auf und ab geht es durch das hügelige Hochland (aufwärts wird eher gekrochen, aber egal), bis wir am späten Nachmittag unser Ziel Kham Duc erreichen.

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IMG_0364_1 (Large) IMG_0365_1 (Large)Etappe 7: Kham Duc bis Hoi An (123 km)

Das letzte Wegstück wieder hinunter auf Meereshöhe ist schnell geschafft. Wir brausen durch sattgrüne Wälder bergab, vorbei an Wasserfällen und Stauseen und essen Ananas frisch vom Feld. Schon bald kommen wir im lang ersehnten Hoi An an und freuen uns auf ein paar Tage Entspannung und Schlemmen ganz ohne Motorrad fahren 😉

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