Ein 24 Stunden Bummelzug bringt uns von Guilin nach Chengdu. Natürlich sind wir mit unserer Buchung in China mal wieder zu spontan dran. Der preisgünstigere Hard Sleeper ist auf lange Zeit hin ausgebucht und 24 Stunden lang sitzen war uns dann doch zu anstrengend. So schwitzen wir uns 80€ pro Mann aus dem Kreuz und kaufen die letzten verbleibenden Soft Sleeper Tickets. Wir teilen uns das Viererabteil mit einem Ehepaar und ihrem etwa 11jährigen Sohn, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, uns in seinen 19 wachen Stunden auf jede erdenkliche und laute Art und Weise zu terrorisieren. Die Eltern derweil reichen lediglich stündlich einen neuen Lutscher. Auch das ist eine Folge von Chinas Ein-Kind-Politik – die sogenannten „Kleinen Kaiser“ (auf gut Deutsch auch „Arschloch-Kinder“ genannt), die von den Eltern maßlos verwöhnt und verzogen werden und die später als Erwachsene ohne jegliche Sozialkompetenz durchs Leben gehen werden. Wir verlassen mittags mit gespannten Nerven und gereizten Trommelfellen den Zug.

Chengdu ist – naja, irgendwie halt dann doch eine weitere chinesische Großstadt.

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Positiv fiel uns erst mal das Wetter auf – es ist nicht mehr brüllend heiß, man ist nicht nach ein paar Minuten durchgeschwitzt. Wir geniessen es richtig, mal wieder eine lange Hose zu tragen und kühle Luft einzuatmen.

Im People’s Park von Chengdu schaffen wir es zum ersten Mal seit wir in China sind in ein Teehaus, dabei ist Tee trinken ein so wichtiger Teil der chinesischen Kultur. Von günstigem Tee für 1-2€ bis zu Luxussorten für bis zu 40€ ist hier alles erhältlich. Heißes Wasser kann man so oft nachgießen, wie man möchte. Von der Atmosphäre her erinnert uns das ganze ein wenig an einen entspannten Nachmittag im Biergarten – Familien sind hier, es wird Karten gespielt und gemütlich beisammen gesessen – nur eben bei Tee statt Bier 😉

IMG_6665 (Large) IMG_6667 (Large)Und auch das ist anders: für 3€ kann man sich nebenbei noch das Ohrschmalz auspulen lassen, kein Scherz 😀

Chengdu ist die Hauptstadt der Provinz Sichuan, die vor allem auch für eines bekannt ist – ihr scharfes Essen! Obwohl es „Schärfe“ eigentlich nicht genau trifft – durch das Zusammenspiel von Chili und Sichuan-Pfeffer kommt eine Geschmacksrichtung zustande, die man in China „mala“ nennt, was soviel heißt wie „scharf und betäubend“, da die Pfefferkörner eine betäubende Wirkung haben.

Wir probieren uns am berühmt-berüchtigten Sichuan-Hotpot.

IMG_6677 (Large)Die Yin&Yan-Version: links normale Brühe, rechts Chili & Sichuan-Pfeffer.

Es gibt eine unendliche Auswahl Zutaten am Spießchen-Buffet, von Fleisch über Fisch und Meeresfrüchte bis hin zu vielen Gemüsesorten. Abgerechnet wird am Ende nach Anzahl der Spießchen.

IMG_6678 (Large)Je nachdem, wen von uns beiden man fragt, bekommt man eine sehr unterschiedliche Antwort zum Thama Sichuan Hotpot :)

Christo: „Scharf wars jetz irgendwie ned so. Aber der Pfeffer prickelt a bissl an der Lippe.“

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Steffi: Wässrige Augen, komplett taube Mundhöhle, Blutdruck auf 180 und nachträgliche Magenrebellion

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Soviel dazu 😀

Auch immer wieder schön: der Blick in ein typisch chinesisches Supermarkt-Regal. Die schweißen wirklich ALLES ein!

IMG_6689 (Large)Besonders beliebt: Hühnerfüße zum dran rumnuckeln

IMG_6690 (Large)Nun aber endlich zur Hauptsehenswürdigkeit Chengdus: dem Giant Panda Breeding Center.

Der Große Panda ist eine der am stärksten gefährdetenTierarten unseres Planeten, nicht umsonst ist er auch das Wappentier des WWF. Derzeit gibt es nur noch ca. 1600 Tiere in freier Wildbahn. In der Aufzuchtstation von Chengdu leben derzeit über 80 der Tiere und die Nachzucht ist erfolgreich, jedes Jahr werden einige neue Pandababys geboren.

Nach einem Besuch dort MÜSSEN wir Pandabären definitiv mit zu den coolsten Tierarten der Welt zählen. Pünktlich zur morgendlichen Fütterung waren wir vor Ort und sahen zu, wie sich die Pandas genüsslich sitzend oder auf dem Rücken liegend mit beiden Händen den Bambus in den Mund schoben. Man muss einfach an Kinder in einer Schokoladenfabrik denken, es ist zu witzig.

IMG_6706 (Large) IMG_6723 (Large) IMG_6737 (Large) IMG_6846 (Large) IMG_6850 (Large)IMG_6943 (Large)Futter ist da!

IMG_6852 (Large)Nach dem Essen ein bisschen Panda-Yoga

Auch die weniger bekannten Roten Pandas, nur etwa so groß wie ein Fuchs, findet man hier.

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IMG_6827 (Large)Besonders süß: der Panda Kindergarten

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Da ich leider etwas krank wurde, verlängerten wir unseren Aufenthalt in Chengdu um einen weiteren Tag – ich verbrachte diesen im Bett und Christo (trotz strömendem Regen) mit einem Tagesausflug zum „Großen Buddha von Leshan“, der größten Stein-Buddhastatue der Welt.

Die Statue ist 71 Meter hoch, an den Schultern 28 Meter breit und ein Zehennagel allein ist größer als der durchschnittliche Mensch.

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Kommentare

Chengdu – den letzten Pandas auf der Spur — 8 Kommentare

  1. Geil, geil, geiles Essen. Hmm, das sieht richtig gut aus.
    Ja das mit den Sitzplatz-Zugreisen kenne ich. Wir haben auch eine von Haerbin im Norden nach Xi’an gemacht. Hat locker über 20 Stunden gedauert. Zum Glück waren wir da fünf Reisende und so konnten wir uns abwechseln, mit Fragen von Einheimischen beantworten.
    Falls ihr übrigens einen solchen Zug verpasst, dann gibt’s in jedem Bahnhof ein extra Schalter um das Ticket kostenfrei umzutauschen. Hab ich auch schon mal gemacht und hat prima funktioniert.

    Einen schönen Gruß schickt euch
    Kilian

    • Danke für den Tip! In unseren letzten Tagen in China (vor der Feiertags-Woche wollen wir draußen sein), werden wir wohl nur noch einmal den Zug nehmen – ich hoffe zwar nicht dass wir den verpassen, aber gut zu wissen, dass man das Ticket dann umtauschen kann! Grüße aus Shangri-La!

  2. Hallo ihr zwei, ihr wissts ja gar ned wie ich euch beneide. Immer wenn ich eure Bilder ansehe, dann wünsch ich mich gaaaaaaaaaanz weit weg von Deutschland, vor allem jetzt wo es bei uns wieder saukalt ist. Ihr 2 seit auch Schuld, dass ich jedes Mal Hunger bekomm, wenn ich eure Bilder anschaue, sieht ja alles so gut aus, bis auf die Hühnerkrallen. Pfui Deife, da braucht ma se ned wundern wenn eich Oaner vor de Fiass kotzt. Ich bin ja auch kein Großstadtmensch, aber die Bilder von Hong Kong san echt da Wahnsinn, würde aber trotzdem das Land vorziehen und ist auch für den Geldbeutel besser. Mei und die Pandabären, sowas von süss, würde sofort eins bei mir aufnehmen. Steffi i hoff das da wieda besser geht, oder wars nur der Magen vom scharfen Essen? I wünsch eich a schene Zeit, lassts eich guad geh und schauts ois o wos geht. Bussal Waltraud

    • Nein, alles wieder gut! Ein Tag im Bett ist manchmal auch gar nicht so verkehrt :) Freut uns, dass du immer so fleißig mitliest und wir a bissl Weltreise-Feeling nach Burghausen bringen! Bussl

  3. Bin i froh das da wieda guad geht, ned das`d wos überseagst.
    Obwohl i gscheit neidisch bin, könn i eich natürlich eiern Weltreisetrip und gfrei mi owei über eire neien Buidln und Kommentare und natürlich a wenn i hör das eich guad geht. Dicks Bussal

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