Mittlerweile hatten wir einige Tage im Golden Gobi Guesthouse in Ulan Bator verbracht, dem Traveller-Treffpunkt schlechthin. In der Regel tut man sich hier zu Gruppen zusammen, um gemeinsam eine Tour zu buchen. Unsere eher vage Vorstellung „wir wollen irgendwas im Grasland machen, und in die Gobi wollen wir eigentlich auch“ hat der geschäftstüchtige Hostelbesitzer gleich mal in eine 24tägige Tour für insgesamt 1200 Dollar pro Person umgewandelt. Moooment! Das muss auch anders gehen…

So wollen wir zunächst einmal mit dem öffentlichen Bus ins 360km entfernte Karakorum fahren. Auf gut Glück fahren wir morgens zum Busbahnhof – der tägliche Bus fährt erst in 3 Stunden ab, der alternative Minibus „wenn er voll ist“, was in der Mongolei alles zwischen 5 Minuten und 5 Stunden heissen kann. Nur eines ist sicher – solange sich auch nur noch ein kleiner Mongole in den Van quetschen lässt, fährt das Ding nicht los. Wir hatten Glück und fanden stattdessen eine private Mitfahrgelegenheit (eigentlich fand die Mitfahrgelegenheit eher uns). Die beiden wollten sofort los, perfekt. Dass wir noch über eine Stunde mit dem Kauf von Motoröl und einer Reifeninspektion verbringen würden, wussten wir da noch nicht…

Karakorum ist die ehemalige altmongolische Hauptstadt des von Dschingis Khan im 13. Jahrhundert gegründeten mongolischen Reiches, bis diese von Kublai Khan nach Peking velegt wurde. Zu besichtigen gibt es hier das Erdene Dsuu Kloster.

IMG_3556 (Large) IMG_3558 (Large) IMG_3562 (Large) IMG_3566 (Large) IMG_3568 (Large) IMG_3573 (Large) IMG_3575 (Large)IMG_3164 (Large)IMG_3168 (Large)

Einen kompletten Tag verbrachten wir hier mit der Organisation unseres Ausfluges in den Naiman Nuur Nationalpark. Zufälligerweise trafen wir auf Joe aus England und Zane aus Lettland, die den gleichen Plan hatten. Letzten Endes hatten wir zwei Mongolen mit jeweils einem passenden Jeep aufgetrieben, die mit uns die 150km Offroad-Strecke in Angriff nehmen wollten. Über die zähen Verhandlungen könnte man seitenweise erzählen – wir haben jedenfalls gelernt, dass sich Geduld auszahlt und die Angebote besser werden, je später der Abend wird. So haben sich die beiden Herren gegenseitig weiter unterboten, bis wir mit dem Preis zufrieden waren.

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Am nächsten Morgen ging es also los, für die 150km benötigten wir tatsächlich den Großteil des Tages. Unterbrochen wurde die Fahrt von einem Stop bei einem Kloster, das wir nach einer gut einstündigen Wanderung durch den Wald erreichten.

IMG_3188 (Large) IMG_3202 (Large) IMG_3206 (Large) IMG_3210 (Large)IMG_3196 (Large)Völlig festgefahren…

Abends angekommen, zurrten wir noch die Details für unseren geplanten viertägigen Horsetrek fest. Was könnte in diesem Land passender sein als es auf dem Pferd zu erkunden? Die Mongolei ist das Land der Pferde, es gibt davon deutlich mehr als das Land Einwohner hat. Sie sind halb wild und die härteste und belastbarste Pferderasse der Welt. Selbst den 9monatigen mongolischen Winter verbringen sie bei bis zu -40 Grad draußen und suchen unter dem Schnee nach dem dünnen, harten Gras. Besonders schön sind sie nicht, aber echte Helden.

Alle vier hatten wir null Reiterfahrung (mal abgesehen von unserem 5stündigen Reitausflug in Venezuela) und hatten entsprechend etwas Bedenken, uns gleich mehrere Tage am Stück in den Sattel zu schwingen. Muchu, ein Cousin/ Schwager oder ähnliches unseres Fahrers sollte uns mit seinen Pferden begleiten. Überraschenderweise waren dann sogar zwei Reiter mit uns unterwegs. Die erste Nacht verbrachten wir auch gleich in der Jurte der Familie unseres „Horseman“ (mehr zum nomadischen Leben später).

Am nächsten Morgen wurden dann die Pferde gesattelt. Erklärungen oder Einführungen gab es keine, wie auch, Muchu sprach schließlich kein Englisch. Alles, was wir wissen müssen, sei „Tschu! Tschu!“ um das Pferd anzutreiben (tatsächlich auch das am meist verwendete Wort der nächsten Tage).

IMG_3231 (Large) Von diesen bequemen Sätteln gab es leider nur zwei – Joe uns ich mussten mit dem emeel, dem traditionellen hoch und eng gebauten Holzsattel Vorlieb nehmen (spätestens am dritten Tag waren wir sehr neidisch).

IMG_3395 (Large)Für ein bisschen zusätzliche Polsterung bekamen wir dafür noch einen del, den mongolischen Reitmantel verpasst.

IMG_3233 (Large)In den nächsten Tagen legten wir insgesamt gute 100km auf dem Pferderücken zurück. Es ging durch weite Grassteppen, steile Waldpfade, Sümpfe, Flüsse und Geröllfelder, durch Herden von Ziegen, Yaks und Schafen.

DCIM102GOPRO DCIM102GOPRO DCIM102GOPRO IMG_3230 (Large) IMG_3278 (Large)IMG_3260 (Large) IMG_3261 (Large) Verdiente Siesta…

IMG_3294 (Large) IMG_3299 (Large)Es ist unmöglich, über die Wiesen zu laufen, ohne ständig auf Edelweiss zu treten…

DCIM102GOPRO DCIM102GOPRO DCIM102GOPROHorst the Horse ist immer hungrig…

IMG_3536 (Large) IMG_3546 (Large) IMG_3550 (Large) IMG_3552 (Large)

IMG_3302 (Large) IMG_3313 (Large) IMG_3315 (Large)Yaks…

DCIM102GOPRO DCIM102GOPRO Familienfoto :)

IMG_3365 (Large) IMG_3309 (Large)Stuten melken…

DCIM102GOPRO DCIM102GOPRO DCIM102GOPRO DCIM102GOPRO DCIM102GOPRO IMG_3328 (Large) IMG_3340 (Large) IMG_3373 (Large) IMG_3380 (Large) IMG_3381 (Large) IMG_3382 (Large) IMG_3400 (Large) IMG_3401 (Large) IMG_3417 (Large) IMG_3423 (Large) IMG_3438 (Large)Steiles oder schwieriges Gelände legten wir natürlich im Schritt zurück. Auf den weiten ebenen Steppen verfielen unsere Pferde jedoch oftmals in Trab – gegen Ende der Tour sogar in Galopp (wenn auch nur kurz). Das hätten wir wohl vorher nicht gedacht – im Galopp über die mongolische Steppe zu reiten ist sicherlich eine bleibende Erinnerung.

Wo haben wir geschlafen, werdet ihr euch fragen? Was haben wir gegessen? Alleine darüber könnten wir stundenlang erzählen. Für ein paar Tage konnten wir (soweit als Tourist möglich) am Leben der mongolischen Nomadenfamilien teilhaben. Wir schliefen wie Nomaden, aßen wie Nomaden und passten uns natürlich auch der nomadischen Form der Körperhygiene an. Sowohl mittags als auch für die Nacht waren wir zu Gast in einer mongolischen Jurte.

IMG_3235 (Large)IMG_3183 (Large)Oftmals fühlen wir uns vom Kulturschock fast umgehauen – das Leben der Nomaden könnte zu unserem unterschiedlicher kaum sein. Die Wohnverhältnisse, das Essen, das Zusammenleben – hier ist einfach alles anders.

Gastfreundschaft ist ein fester Bestandteil des Nomadenlebens. Denn Besuch bedeutet Information, auch wenn viele Nomaden mittlerweile Fernsehen und Telefone nutzen (betrieben durch Solarenergie oder eine Autobatterie).

Für uns ist eine mongolische Jurte das reinste Fettnäpfchen-Paradies, so unendlich viel gibt es hier falsch zu machen. Von manchen Verhaltensregeln hatten wir vorher gehört, manche lernten wir während der Tour, von anderen lasen wir (leider) erst im Nachhinein. Wir hoffen einfach mal, dass man uns als unwissenden Touristen unsere Fehler nachsieht.

So darf man die Jurte zum Beispiel nur mit dem rechten Fuß betreten, ohne die Schwelle zu berühren. Danach sollte man sich möglichst schnell hinsetzen, und zwar auf den vom Gastgeber zugewiesenen Platz und ohne die Füße in Richtung des Herdes oder des Hausaltars auszustrecken.

IMG_3253 (Large)Gleich nach Betreten der Jurte werden heißer Milchtee (grüner Tee, aufgegossen mit Yakmilch) und verschiedene Milchspeisen (meist Yakbutter in verschiedenen Stadien der „Reifung“) gereicht. Beides darf nicht abgelehnt werden und sollte mit der rechten Hand und nicht mit nackten Unterarmen entgegengenommen werden.

IMG_3179 (Large)Manchmal gibt es statt Milchtee auch „Airag“ – vergorene, leicht alkoholische Stutenmilch.

Die Ernährung der Nomaden ist alles andere als abwechslungsreich – neben den vielen verschiedenen Milchprodukten gibt es eigentlich nur ein Hauptgericht, mongolische Nudeln mit Hammelfleisch. Diese werden entweder trocken angebraten oder zu einer Suppe gestreckt. Diese einseitige Ernährung hat sich seit Hunderten von Jahren nicht geändert. Frisches Gemüse oder gar Früchte sucht man vergebens, schließlich ist man ja bei Nomaden zu Gast, Landwirtschaft gibt es nicht. Ein paar kleine Kartoffelstücke in den Nudeln am dritten Tag lösten da schon wahre Begeisterung aus. Auch frisches Trinkwasser gibt es nicht (wir hatten Gott sei Dank welches dabei), zum Aufkochen des Tees wird Fluss- oder Seewasser verwendet.

IMG_3226 (Large) IMG_3248 (Large) IMG_3273 (Large)IMG_3243 (Large) IMG_3295 (Large) IMG_3297 (Large)IMG_3317 (Large) IMG_3416 (Large)Unser höchst willkommenes Gastgeschenk – eine Flasche Chinggis Vodka

Geschlafen haben wir ebenfalls in den Jurten, teils zusammen mit der Familie.

IMG_3225 (Large)Unsere Schlafstatt für die Nacht – zu zweit mehr als eng, andererseits übersteht man so die bitterkalten mongolischen Nächte besser. Zur Schlafenszeit wurde noch einmal  angeheizt und so lag man dann, eingemümmelt in mehrere Decken, das Feuer knistert und draußen hört man die Yaks grunzen. Direkt neben dem Kopfende des Bettes steht ein Faß „duftende“ Yakbutter und über dem Bett wird auch schon mal eine halbe Ziege abgehangen. Camping-Romantik mal anders.

Ein Badezimmer gibt es in einer Jurte selbstverständlich nicht – Katzenwäsche gab es morgens im Fluss, die Toilette ist überall und nirgendwo.

Am letzten Tag gerieten wir etwas mit Muchu aneinander. Infolgedessen durften wir am Abend miterleben, wie man sich in der Mongolei wieder versöhnt. Entscheidend hierbei sind eine 2,5 Liter Bierflasche und zwei Flaschen selbstgebrannter Vodka aus Yakmilch (unfassbar ekelhaft). Beides wird schüsselweise herumgereicht.

IMG_3442 (Large)Aber siehe da, es funktioniert. Plötzlich haben sich alle lieb und wir verbringen einen ausgelassenen Abend mit Muchus Familie. Die Kinder beziehen uns in ihr Spiel mit ein und können gar nicht oft genug fotografiert werden, und selbst die sonst eher zurückhaltende Mutter taut ein bisschen auf. Bei einem derartigen Trinkverhalten verwundert es auch nicht weiter, wenn immer mal wieder ein sturzbetrunkener Mongole in die Jurte stolpert.

IMG_3241 (Large) IMG_3242 (Large) IMG_3440 (Large) IMG_3471 (Large) IMG_3473 (Large) IMG_3486 (Large) IMG_3488 (Large) IMG_3489 (Large) IMG_3529 (Large) IMG_3530 (Large)Am nächsten Morgen dann brachte uns der Jeep wieder zurück nach Karakorum, am Tag darauf der Bus wieder nach Ulan Bator. Selten haben wir eine heiße Dusche so sehr zu schätzen gewusst und uns so heißhungrig auf leckeres Essen gestürzt.

Alles in allem war unser Ausflug in die Welt des Reitens und die Welt der Nomaden ein mehr als intensives Erlebnis, das wir sicherlich nie vergessen werden.

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Kommentare

Auf dem Pferd durch die Zentralmongolei — 50 Kommentare

  1. An wunden Hintern und a dode Ziege überm Bett, na Prost Mahlzeit 😉

    Gaaaaanz unglaublich fantastische Bilder!
    Ich beneide euch!
    Ganz liebe Grüße aus der Heimat! Fühlt euch gedrückt! Die Gruabarin 😉

  2. mensch jetzt muss ich euch echt mal schreiben….lese euren blog jetzt schon seit moskau mit und habe erst jetzt bemerkt, dass ihr ja bereits einen link zu unserem blog habt-ein herzliches dankeschön hierfür!und nun…DAAAANKE dass ihr es schafft mich im grauen deutschland aus dem tristen büroalltag in eine fremde kultur zu entführen….das ist wunderbar – eure bilder sind der hammer und an der ein oder anderen stelle muss ich schmunzeln oder fühle mich auf unsere reise zurückversetzt. vieles kann ich nachvollziehen und manches ist neu!aber alles ist spannend und regt auf jeden fall das fernweh an;-)
    wir wünschen euch weiterhin ganz viel spaß, alles gute und genießt wirklich jeden einzelnen tag…wennn man wieder zurück ist weiß man warum!herzlichste grüße in die ferne lena und bernd

    • Hallo ihr beiden! Vielen Dank für die nette Nachricht und die Komplimente :) Wir versuchen tatsächlich, alles möglichst bewusst zu geniessen, es ist eh wieder viel zu schnell vorbei! Und immer schön, wenn wir einen tristen Bürotag ein bisschen aufhellen können, das ist eine der wichtigsten Aufgaben von Reiseblogs 😉 Liebe Grüße nach Deutschland!!!

  3. Hallo ihr zwei, super Famileinfoto (hi,hi). Ihr habts wieder super Buidln gmacht und wenn ma deine Beiträge liest, da kannt i sowas vo neidisch wern. Auf alle Fälle gehts eich guad und ihr habts an haufa Erlebnisse gesammelt und des is wichtig. Machts weida so und passt auf eich auf. Bussal W.

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